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Leistungsdiagnostik fürs "Besser-Machen"!

"Wir brauchen eine Mannschaft, die marschieren kann." – Das gaben Sportdirektor Jan Schlaudraff und Trainer Mirko Slomka bei der Pressekonferenz zu ihrer Vorstellung als eine wichtige Grundlage für die neue 96-Spielphilosophie aus. Und dieses Ziel wird konsequent verfolgt. Bereits in der ersten Trainingswoche arbeitete das 96-Trainerteam mit der Mannschaft intensiv im athletischen Bereich. Der Dienstag von Woche zwei stand ganz im Zeichen der Leistungsdiagnostik.

"Das ist Besser-Machen"

"Mir ist wichtig, dass wir Dinge abtesten, die wir im Spiel benötigen, um sie durch das Training verbessern zu können", erklärt Chefcoach Mirko Slomka den Hintergrund der Tests, die den ganzen Tag über durchgeführt wurden. In verschiedenen Bereichen von Ausdauer über Beweglichkeit bis Kraft wurden dabei für jeden einzelnen Spieler Daten erhoben: "Das alles werden wir abgleichen und daraus dann Trainingsinhalte generieren, die letztlich dazu führen, dass beispielsweise ein Außenverteidiger drei-, vier- oder fünfmal mehr über 50 bis 70 Meter sprinten kann als vielleicht vorher. Das ist unsere Aufgabe – das ist Besser-Machen."

Wie lief die Leistungsdiagnostik ab? Im Olympiastützpunkt neben der Mehrkampfanlage wurden zahlreiche Testungen mit der Unterstützung eines Teams aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durchgeführt, weitere im Kraftraum in der HDI Arena, die 96-Profis waren dabei in Kleingruppen unterteilt und durchliefen mehrere Stationen. Alle dienten einem spezifischen Zweck. Die Beweglichkeitstests beispielsweise sollen Antworten auf bestimmte Fragestellungen liefern: "Wo gibt es Defizite, die beispielweise dazu führen können, dass Dysbalancen auftreten und dass Spieler muskuläre Probleme bekommen? Und: Wie können wir versuchen, das auszugleichen?", erläutert Slomka – und fügt hinzu: "Das ist mindestens genauso wichtig wie die läuferische Testung."

"Mehrwerte in verschiedenen Bereichen schaffen"

Diese läuferische Testung wurde bewusst fußballnah gehalten. Es handelte sich um einen sogenannten Shuttle-Run-Test, also ein Intervalllauf, in dem das Tempo ständig gesteigert wird. Und auch wenn es sich dabei nicht um den "klassischen" Laktattest handelt, ein Feld-Stufen-Test, wie er in den letzten Jahren durchgeführt wurde: "Laktat haben wir jetzt auch genommen, das ist schon ein wichtiger Parameter." Im Endeffekt geht es dem Trainer mit den Erkenntnissen aus den Lauftests darum, "Mehrwerte in verschiedenen Bereichen zu schaffen: Die Anzahl an Sprints und schnellere Erholungsphasen im Spiel, das sind Themen, die uns besonders interessieren." Angestrebt ist dabei natürlich eine möglichst hohe Anzahl an Sprints und möglichst kurze Erholungszeiten.

Gelaufen wurde ausschließlich im Ausdauerbereich, denn: "Wir haben Abstand genommen von einer Sprinttestung." Schließlich hat das Team um Mirko Slomka im normalen Trainingsbetrieb die Möglichkeit, "durch die modernen Aufzeichnungssysteme via GPS die Maximalgeschwindigkeiten der Spieler abzulesen. Daraus können wir ableiten, woran wir arbeiten können." Dadurch fallen Sprints in der Testung heraus, so umgeht man auch die Verletzungsgefahr, die ein solcher Schnelligkeitstest bergen kann.

Viel Arbeit in der Interpretation

Nach dem Testtag ist die Arbeit aber noch lange nicht getan. "Die Interpretation wird auch noch einmal einen separaten halben Tag einnehmen mit dem Trainerteam und mit der Unterstützung des Teams der MHH und dem Olympiastützpunkt", prognostiziert Slomka. Dabei werden die am Dienstag erfassten Werte kombiniert mit den Daten und Fakten, die im normalen Trainingsbetrieb über die GPS-Erfassung erhoben werden: Laufstrecken, Laufgeschwindigkeiten, Anzahl der Sprints in einem bestimmten Zeitraum – und so weiter. Im Endeffekt werden konkrete Ableitungen für die Gestaltung des 96-Trainings – sowohl im Mannschaftsverbund als auch individuell – gemacht: "Aus der Interpretation sollte hervorgehen, was die Spieler brauchen, damit sie besser werden." Viel Arbeit für Slomka und sein Team, aber der Chefcoach weiß: "Danach werden wir die Trainingsphasen und -intensitäten noch besser einschätzen können." Um am Schluss eine Mannschaft zu haben, die marschieren kann!
hec