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Der bekannteste Fürth-Fan ist 96

Ein Name mit Brisanz und ein Maskottchen, das an Tabaluga erinnert: Hier gibt's Historisches und Kurioses zum nächsten Gegner der Roten, der SpVgg Greuther Fürth.

Fan von Fürth: der ehemalige Außenminister Henry Kissinger.

Das ist Greuther Fürth
Wieso ist die Partie zwischen Hannover 96 und der SpVgg Greuther Fürth am Samstag (13 Uhr; Tickets) in der HDI Arena historisch betrachtet ein echtes Spitzenspiel? Warum stören sich die Fürther am Namen ihres Fußballvereins? Und was hat die US-amerikanische Außenpolitik mit Ergebnissen der Franken zu tun? Fragen über Fragen, die wir in unserem Gegnerporträt beantworten.  

  • Acht Buchstaben mit Brisanz: Unter Fans ist der Name bis heute umstritten. Im Sommer 1996 fusionierte die SpVgg Fürth mit der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth zur SpVgg Greuther Fürth. Für viele Fürther ein Unding. Sie sprechen deshalb lieber von Kleeblatt Fürth. Eine Faninitiative wirbt mit der Kampagne "Zurück zur SpVgg Fürth" gar für eine erneute Umbenennung. Bislang allerdings ohne Erfolg. Übrigens, wer sich immer schon gefragt hat, wie die SpVgg Greuther Fürth zu ihrem Vereinslogo gekommen ist: Das grüne, dreiblättrige Kleeblatt ist das offizielle Wappen der Stadt Fürth.

  • Dreimal deutscher Meister: Ihre größten Erfolge feierten die Fürther Anfang des 20. Jahrhunderts, also weit vor Gründung der Bundesliga. 1914, 1926 und 1929 sicherte sich die SpVgg Fürth dreimal die deutsche Meisterschaft. Zudem bestritt der Klub in seinen besten Jahren regelmäßig privat organisierte Partien gegen internationale Topklubs wie Real Madrid (1923), FC Barcelona (1926) und Juventus Turin (1930). Bemerkenswert: Ende der 1980er-Jahre stürzte der Klub, der damals hoch verschuldet war, bis in die Landesliga ab, schaffte aber schon nach wenigen Jahren die Wende und kehrte 1997 in die zweite Liga zurück.  

  • Historische Spielstätte: Gibt es einen deutschen Profiklub, der seine Heimspiele länger an ein und demselben Ort austrägt als die SpVgg Greuther Fürth? Im September 1910 wurde das Stadion der Franken im Fürther Stadtteil Ronhof eröffnet - und bekam einen rekordverdächtig langen Namen verpasst: Sportplatz am Ronhofer Weg gegenüber dem Zentral-Friedhof. Anfangs fanden bis zu 8000 Zuschauer Platz, seitdem wurde das Stadion mehrfach umgebaut und modernisiert. Heute heißt das Fürther Stadion offiziell Sportpark Ronhof Thomas Sommer, da sich der Immobilienhändler Thomas Sommer die Namensrechte bis 2021 gesichert hat, und bietet Platz für 15.606 Zuschauer.    

  • Platz eins in der ewigen Zweitliga-Tabelle: Greuther Fürth und die zweite Liga - das gehört einfach zusammen. Kein Klub hat mehr Spiele in der 2. Bundesliga bestritten als die Franken (1061). Und kein Klub hat mehr Punkte geholt (1565). In der ewigen Zweitliga-Tabelle liegen die Fürther mit großem Vorsprung an der Spitze. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Alemannia Aachen (1020 Spiele, 1481 Punkte) und der FC St. Pauli (963 Spiele, 1421 Punkte). Und die Roten? Die halten als Tabellenfünfter den Kontakt zur Spitzengruppe (855 Spiele, 1326 Punkte). Historisch betrachtet ist das am Wochenende also ein echtes Spitzenspiel in der HDI Arena.

  • Ein ehemaliger US-Außenminister auf der Tribüne: Sollten die Fürther jemals in der ersten Liga spielen, werde er zum Anfeuern ins Stadion kommen - so hatte es Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger einst versprochen, und so machte er es dann auch. Im September 2012 saß der wohl bekannteste Fan der Franken beim Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 auf der VIP-Tribüne - natürlich mit einem Fanschal um den Hals. Kissinger, der 1923 in Fürth zur Welt gekommen und später mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten in die USA geflohen war, hatte schon in den 1930er-Jahren Spiele der Fürther im Stadion verfolgt. Später, während seiner Zeit als US-Außenminister (1973 bis 1977) ließ sich Kissinger die Ergebnisse seines Lieblingsklubs sogar direkt von der deutschen Botschaft übermitteln. "Ich konnte die Intensität unseres Verhältnisses zur Bundesrepublik immer daran bemessen, wie schnell ich die Ergebnisse hatte", erzählte Kissinger vor ein paar Jahren. "Wenn sie unzufrieden mit mir waren, bekam ich die Ergebnisse immer erst dienstags." Mittlerweile informiert sich der 96-Jährige im Internet über alles Wichtige rund um Greuther Fürth.

  • Eddy, der Drache: Seit 2005 hat auch die SpVgg Greuther Fürth ein Maskottchen. Es heißt Eddy und sieht aus wie der ältere Halbbruder von Tabaluga. Benannt ist der grüne Drache - also Eddy, nicht Tabaluga - nach Edgar Burkart, dem langjährigen Präsidenten des Klubs. Burkart führte die Fürther einst aus der Landesliga zurück in den Profifußball und gilt als Vereinsikone. Er starb 2011 nach langer Krankheit.
    hop