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Dennis Fischer: "Marcel Franke könnte auch Rugbyprofi sein"

Es ist das weltweit größte Sportereignis des Jahres: Am Samstag (10 Uhr, live bei ProSieben MAXX) treffen England und Südafrika im Finale der Rugby-WM aufeinander. Im Interview auf hannover96.de verrät Dennis Fischer, einst Rugby-Nationalspieler und heute Reha- und Athletiktrainer bei Hannover 96, was ihn an der Sportart so sehr fasziniert - und welche 96-Spieler das Potenzial zum Rugbyprofi hätten.

Ehemaliger Rugby-Nationalspieler: 96-Reha- und Athletiktrainer Dennis Fischer.

Dennis, am Samstag steigt das Finale der Rugby-WM zwischen England und Südafrika, und Du darfst jetzt als ehemaliger Rugby-Nationalspieler einfach mal Werbung machen: Warum sollten sich die Fans von Hannover 96 das Spiel nicht entgehen lassen?

Dennis Fischer (45): Weil die Rugby-WM ein Riesenevent ist und das Spiel großartig werden wird. Davon bin ich überzeugt. Dort treffen zwei Mannschaften aufeinander, die, vom finanziellen Aspekt einmal abgesehen, voller Stolz für ihr Land spielen. Das sieht man schon beim Singen der Nationalhymnen. Diese Spieler werden alles geben, sie werden ihr eigentliches Leben in der Kabine lassen – und sich auf dem Feld für ihr Land und für ihre Mitspieler zerreißen.

Jetzt ist nicht jeder so ein Rugby-Experte wie Du. Werden denn auch Zuschauer Spaß vor dem TV haben, die sich mit dem Sport noch nicht so gut auskennen?

Fischer: Auf jeden Fall! In Deutschland wird die Rugby-WM von ProSieben MAXX übertragen, und die beiden Kommentatoren sind echte Experten, die die Regeln und Abläufe während eines Spiels sehr, sehr gut erklären. Da ist man auch als Rugby-Neuling sehr schnell drin.

Was macht für Dich die Faszination Rugby aus – und wie bist Du damals eigentlich zum Rugby gekommen?

Fischer: Mein Vater hat Rugby gespielt, mein Großvater hat Rugby gespielt, mein Urgroßvater auch. Das ist bei uns eine Familientradition. Ich habe Rugby aber nicht nur deshalb gespielt, sondern auch, weil ich schon immer gern Mannschaftssport gemacht habe und es mir gefallen hat, dass man beim Rugby Tugenden fürs Leben vermittelt bekommt.

Was für Tugenden sind das?

Fischer: Disziplin. Gemeinschaftsgefühl. Sich in der Gruppe unterzuordnen. Das Tolle ist ja: Jeder kann Rugby spielen. Es gibt für jeden eine Position auf dem Feld. Für die Schnellen, für die Kräftigen, für die Großen, für die Kleinen.

Du kennst sicher das berühmte Sprichwort: „Rugby ist ein Spiel für Hooligans, gespielt von Gentlemen. Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, gespielt von Hooligans.“ Was ist dran an diesem Sprichwort?

Fischer: Ich habe in all den Jahren keine Hooligans auf dem Fußballfeld kennengelernt. Das sind fast ausschließlich nette, aufgeschlossene Menschen, wie im Rugby auch. Und es gibt in beiden Sportarten Bekloppte. Deshalb finde ich, dass dieses Sprichwort nicht mehr zeitgemäß ist. Was man aber natürlich sagen muss, und das sieht man auch bei der WM aktuell, ist: Beim Rugby sitzen die Fans beider Nationen im Stadion friedlich nebeneinander, trinken davor und danach zusammen ihr Bier und feiern den Sport. Da herrscht ein sehr fairer Umgang.

Rugbyspieler gelten als ziemlich harte Typen. Aber wie sehr unterscheiden sich Rugby- und Fußballspieler wirklich voneinander?

Fischer: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Der Fußball ist in den vergangenen Jahren viel athletischer, viel körperbetonter geworden. Daher unterscheiden sich auch die Sportler nicht mehr so sehr voneinander wie früher. Ich kann mich noch gut erinnern: Als wir vor zehn, 15 Jahren im Fußballtraining beim TSV Havelse eine Runde Rugby gespielt haben, sind alle sehr zurückhaltend gewesen. Da wurde vielleicht mal am Trikot des Gegners gezupft, mehr nicht. Wenn wir heute bei 96 im Training Rugby spielen, dann scheut kaum noch einer den Kontakt. Da geht es richtig zur Sache, da laufen die Jungs mit vollem Einsatz in den Gegenspieler.

Wer von den aktuellen 96-Profis hätte denn Deiner Meinung nach das Potenzial, auch ein guter Rugbyspieler zu werden?

Fischer: Marcel Franke auf jeden Fall! Timo Hübers und Felipe auch. Für die erste Reihe sind sie zwar alle zu leicht, da spielen die Jungs, die das Gedränge gewinnen müssen, die wiegen um die 120 Kilogramm. Aber dahinter hätten die drei eine echte Chance, weil sie die perfekte Mischung aus Größe, Geschwindigkeit und Athletik mitbringen. Matthias Ostrzolek wäre auch ein sehr guter Rugbyspieler. Einen wie ihn nennt man im Rugby bloß "Koffer". Eigentlich gibt es jede Menge Kandidaten im Team, weil die Jungs alle eine gute Hand-Fuß-Koordination haben. Nur bei Edgar Prib, da kann ich mir das mit der Rugbykarriere auf gar keinen Fall vorstellen … (lacht)

Letzte Frage: Wirst Du das Finale am Samstag gucken? Und wem drückst Du die Daumen?

Fischer: Ich kann das Spiel leider nicht live gucken, weil wir zeitgleich Training haben. Aber das ist kein Problem. Ich zeichne das Spiel einfach auf und gucke es mir dann am Nachmittag an. Ich bin im Turnier eigentlich für die Franzosen gewesen, aber die sind ja leider ausgeschieden. Also liegen meine Sympathien bei Südafrika. Wenn sie aber so spielen wie zuletzt, werden sie gegen England keine Chance haben.
hop