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Jannes Horn im Interview: "Ich dachte: 'Wow, was kommt da auf mich zu?'"

Via Skype berichtet unser Abwehrmann Jannes Horn bei 96TV, wie bei ihm die Corona-Erkrankung verlaufen ist, wer für ihn da war und worauf er sich nach der Quarantäne am meisten freut. Schaut rein!

Jannes, zwölf Tage in Quarantäne sind rum, wie geht es Dir?

Jannes Horn (23): Mittlerweile geht es mir wieder gut, die ersten drei bis vier Tage war ich echt fertig und hatte Fieber. Es hat sich angefühlt wie eine Grippe. Seitdem ging es jeden Tag bergauf, mir geht es wieder super. Ich bin seit vier oder fünf Tagen schon wieder am Fahrradfahren und fühle mich echt gut.

Nach Timo Hübers warst Du der zweite Spieler von uns, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Wie überraschend kam die Diagnose für Dich?

Jannes: Ziemlich überraschend. Wir sollten an dem Tag ja eigentlich ganz normal trainieren. Ich habe normal zu Hause gefrühstückt, mich wie immer für das Training fertig gemacht. Ich hatte den Morgen ein ganz leichtes Halskratzen, habe mir dabei allerdings nicht groß etwas gedacht. Ich meine: Das kennt ja jeder. Ich war also auf dem Weg zum Training, als ich den Anruf von unserem Doc bekommen habe, der mir sagte, dass mein Test auch positiv sei. Meine erste Reaktion war: Das kann nicht sein. Ich habe mich schließlich gut gefühlt. An dem Abend ging es dann auch tatsächlich los mit den ersten Symptomen. Ich hatte recht starke Kopfschmerzen. Aber wie gesagt: Wenige Tage später ging es mir deutlich besser und jetzt bin ich wieder fit!

Was waren Deine ersten Gedanken, als Du vom positiven Befund erfahren hast?

Jannes: Zuvor hatte ich auch nur im Fernsehen oder imInternet gelesen, wie schlimm dieses Virus sein soll. Natürlich überlegt man, aber allzu viele Gedanken hatte ich mir bis dato nicht gemacht. Die Diagnose war im ersten Moment natürlich ein Schock. Ich dachte: "Wow, was kommt jetzt auf mich zu?".

Hattest Du, vielleicht etwas überspitzt gesagt, Angst um Dein Leben? Man hört ja aktuell immer wieder in den Medien, dass tagtäglich Menschen an diesem Virus sterben.

Jannes: Angst um mein Leben hatte ich nicht. Klar liest und hört man tagtäglich sehr viel Schlimmes. Man weiß nicht, was man glauben soll und was nicht. Als es mir dann nach ca. drei Tagen schon deutlich besser ging, wusste ich, dass es für mich – zum Glück – wie eine ganz normale Grippe war.

In unserem 14-Tage-Buch haben wir bereits von einigen Deiner Teamkollegen erfahren, wie sie ihre Zeit ganz gut rumbekommen. Wie sehen die Tage bei Dir aktuell aus?

Jannes: Bei mir ähneln sich die Tage sehr. Ich stehe auf und frühstücke etwas. Anschließend mache ich Sport und dusche, bevor ich die PlayStation anschmeiße und online mit Freunden zocke. Abends lese ich gelegentlich mal ein Buch oder facetime mit den Jungs aus der Mannschaft. Dann ist der Tag auch schon wieder rum.

Wer war in dieser Zeit besonders für Dich da aus Deinem Umfeld?

Jannes: Meine Familie ist natürlich für mich da, mit denen telefoniere ich sehr viel. Aus der Mannschaft sind es überwiegend Marc Stendera, Niklas Tarnat und Julian Korb, mit denen ich viel Kontakt habe. Das hat mir in der Zeit definitiv sehr geholfen. Und wie gesagt: Jetzt bin ich wieder fit.

Der Kontakt innerhalb der Mannschaft scheint ja auch relativ lebhaft zu sein. Julian Korb hat beispielsweise erzählt, dass Ihr via Headset über die Playstation viel kommuniziert. Was sind da Eure täglichen Themen und wie ist die Stimmung?

Jannes: Die Stimmung an sich ist gut. Klar nervt die Situation. Es kribbelt schon wieder sehr in den Beinen, man möchte unbedingt zurück auf den Platz. Aber man weiß auch, dass es noch nicht geht. Klar ist: Es gibt aktuell sehr viel wichtigere Themen als den Fußball. Unsere Gesprächsthemen in der Mannschaft sind unterschiedlich. Wir quatschen natürlich darüber, wie es weitergehen könnte. Wie sieht in Zukunft das Training aus bzw. ab wann dürfen wir wieder trainieren? Natürlich quatscht man auch etwas blödes Zeug, das gehört einfach dazu (lacht).

Natürlich darf auch der Sport nicht zu kurz kommen. Unsere Athletiktrainer haben da ja, denke ich, für Euch das Maximale an Trainingsbedingungen herausgeholt, was unter diesen Umständen möglich ist. Reicht das trotzdem aus, um wirklich einigermaßen fit zu bleiben?

Jannes: Mit den Fahrrädern, die wir nach Hause geliefert bekommen haben, lässt sich viel machen. Das tut echt gut. Aber natürlich ist es etwas anderes, als auf dem Platz zu stehen. Aber die Möglichkeiten, die wir hier zu Hause haben, sind sehr gut, um nicht unsere gesamte Fitness zu verlieren.

Vor zweieinhalb Wochen haben wir einen beeindruckenden 3:0-Auswärtssieg in Nürnberg gefeiert. Aktuell sind wir vom Spielbetrieb, vor allem mit Zuschauern, jedoch sehr weit entfernt. Wie verfolgst Du die Entwicklungen der letzten Tage und Wochen?

Jannes: Es kommt mir vor, als läge der Sieg in Nürnberg schon ein halbes Jahr zurück. Aber man kann es nicht ändern: Die Gesundheit steht einfach über allem. Es wäre natürlich sehr schade, wenn die Spiele in kommender Zeit ohne Zuschauer stattfinden. Aber wir müssen uns einfach an die Vorgaben halten und alle an einem Strang ziehen. Es werden auch wieder bessere Tage kommen, da bin ich mir sicher.

In zwei Tagen habt Ihr die Zeit in Quarantäne endlich überstanden. Worauf freust Du Dich am meisten?

Jannes: Da gibt es echt viel. Vor allem die Kleinigkeiten: Einfach mal spazieren oder joggen gehen. Die kleinen Dinge schätzen, wenn man sie wieder erledigen darf.

Welcher Punkt steht als nächstes auf Deiner Tagesordnung?

Jannes: Ich bin heute Nachmittag mit meinen Kumpels an der Playstation verabredet. Heute Abend zocke ich online vielleicht auch nochmal mit "Cedi" (Teuchert, Anm. d. Red) oder "Korbi" (Julian Korb). Ich habe heute zwar schon Sport gemacht, eventuell schiebe ich nachher aber noch eine Einheit dazwischen, mal sehen.

Vielen Dank, Jannes!