Profis, Klub

"Was macht eigentlich …?": Aufstiegsheld "Milo" arbeitet heute als Masseur

Vor knapp zwei Wochen hat Vladan Milovanovic sein legendäres Fallrückziehertor noch einmal geschossen. Viele Tausende 96-Fans sahen in unserer Rubrik "Lieblingsspiel" im Re-live der Relegationspartie von Hannover 96 gegen Tennis Borussia Berlin nach 22 Jahren noch einmal das Kunststück, das den Roten die Tür zur 2. Liga überhaupt erst öffnete. Die meist gestellte Frage danach lautete: Was macht "Milo" eigentlich heute? Die Antwort ist überraschend.

Zuhause in Krusevac
Es sind derzeit besondere Zeiten. Auch für Vladan Milovanovic in seiner Heimatstadt Krusevac. Serbien gilt als eines der Länder mit den härtesten Einschränkungs-Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus. Seit dem ersten April-Wochenende gelten die Ausgangssperren für das ganze Wochenende, dann dürfen die Menschen in der 60-000-Einwohner-Stadt ihre Wohnungen und Häuser nicht verlassen. Milovanovic bittet deshalb darum, dass wir am Wochenende telefonieren, dann habe er Zeit. Und so ein Telefonat mit Hannover ist eine willkommene Abwechslung.

Von 1996 bis 1998 trug Vladan Milovanovic das Trikot unserer Roten.
Ohne seine Tore hätte Hannover 96 die Rückkehr in die 2. Liga vermutlich nicht geschafft.

49 Tore in zwei Spielzeiten
50 Jahre alt wird der 96-Aufstiegsheld von 1998 und Publikumsliebling am 7. Juli. "Mir geht es gut", sagt er am Anfang des Gesprächs: "Ich bin gesund." Wie Gespräche in diesen Tagen halt beginnen... "Milo", das ist von der ersten Sekunde an spürbar, würde die Zeit gerne noch einmal 24 Jahre zurückdrehen. Im Juli 1996 begann mit dem Wechsel vom TuS Celle FC zu den Roten das, was Milovanovic "die schönste Zeit meines Lebens" nennt. Sie dauerte zwei Spielzeiten, in denen der Mann mit der Nummer 7 zum Liebling der Fans wurde und Tore am Fließband erzielte. 27 Tore in der Regionalligasaison 1996/97, 22 Tore in der Regionalligasaison 1997/98. Man darf das ruhig so formulieren: Ohne die Tore von Milovanovic hätte Hannover 96 die Rückkehr in die 2. Liga vermutlich nicht geschafft.

Geldstrafe für Ehrenrunde
Für 50.000 Euro Ablösesumme hatte der damalige 96-Manager Franz Gerber den Stürmer aus Celle geholt. Wenn man diese Summe heute liest, dann denkt man spontan, dass da vermutlich zwei Nullen fehlen. Tun sie aber nicht. 50.000 Euro - Milovanovic wurde zum Torschnäppchen. Er selbst hat davor und danach nie wieder so erfolgreich getroffen, auch deshalb trägt er "96 im Herzen". Der Serbe hat danach noch bis 2003 für Eintracht Braunschweig, Arminia Hannover, Austria Lustenau und den SV Babelsberg 03 gespielt, sein Fußballglück aber nicht mehr gefunden. "Ich habe immer gehofft, dass mich 96 zurückholt, aber das hat leider nicht geklappt", sagt er. In Hannover hat er trotzdem noch einmal getroffen, und zwar im Oktober 2001. Mit Babelsberg verlor er in der 2. Liga mit 1:6 gegen 96, das Ehrentor der Potsdamer schoss in der 82. Minute – na klar – Milovanovic. Nach dem Spiel drehte er, gefeiert von den hannoverschen Fans, noch eine Ehrenrunde und bekam prompt eine Geldstrafe von seinem Klub.

Keine Zeit für Fußball
Milovanovic, der immer noch ausgezeichnet Deutsch spricht, ist ein großartiger Erzähler. Dass ausgerechnet dieser leidenschaftliche Fußballer mit Fußball kaum mehr etwas zu tun hat, mag man kaum glauben. "Dafür ist einfach keine Zeit", sagt er 49-Jährige, der sich jetzt jeden Tag einer neuen Leidenschaft widmet, die er zum Beruf gemacht hat. Milovanovic arbeitet seit acht Jahren als Masseur.
hr

Am morgigen Freitag folgt auf hannover96.de das große Interview mit Vladan Milovanovic. Mit welchen 96-Spielern von damals hat er noch Kontakt? Wie war das damals mit dem Fallrückzieher? Welche Träume hat er noch? Und: Welche Sportart ist ihm heute wichtiger als Fußball?

Der Aufstiegsheld heute: "Milo" in seiner Heimat Serbien