Profis, Fans

Ein Pferd namens Ducksch

Dürfen wir vorstellen, liebe 96-Fans? Auf dem Foto seht Ihr "Ducksch". Nein, es handelt sich – in diesem Fall – nicht um den aktuellen Toptorjäger von Hannover 96, sondern um einen Oldenburger Hengst. "Wir haben ihn jetzt siebenjährig gekauft und wollen mit ihm im Dressursport angreifen", sagt seine Besitzerin Stefanie Sauer. Und die verrückt-lustige (und von großer 96-Liebe geprägte) Geschichte hinter der ungewöhnlichen Namensgebung, die erzählt sie uns hier.

Edler Hengst: Ducksch

Der Kater heißt "Didi"
Unsere Geschichte beginnt am 22. Mai, einen Tag vor dem langerwarteten 96-Restart-Spiel nach der Coronapause beim VfL Osnabrück. Familie Sauer ist auf dem Weg gen Norden. In Hamburg wollen Mutter Annette, Vater Arndt und Tochter Stefanie ihr neues Pferd abholen, einen wertvollen Oldenburger, den die Familie für einen hohen vierstelligen Betrag gekauft hat. Einziges Problem: Noch fehlt der Name für den braunen Hengst. Und da gibt es bei den Sauers eine besondere Vorgehensweise: "Bei uns in der Familie ist es eigentlich Tradition, die Tiere nach Fußballern zu benennen", berichtet Stefanie Sauer. "Wir haben zuhause auch einen Kater, der heißt 'Didi'" – benannt nach der ehemaligen 96-Sturm-Rakete Didier Ya Konan.

Langjährige Dauerkartenbesitzer
Die Roten spielen eine nicht gerade unwichtige Rolle im Leben der 31-Jährigen und ihrer Eltern. "Wir haben schon seit Jahren eine Dauerkarte, sind auch alle fußballbegeistert", erzählt die gebürtige Hannoveranerin. "Ich habe die Verbundenheit zu 96 quasi in die Wiege gelegt bekommen, auch mein Papa war als kleiner Junge immer schon im Stadion. Mich hat er das erste Mal mitgenommen, da konnte ich kaum laufen."

Ein besonderer Deal
Das vorherige Pferd der Familie war namenstechnisch etwas 96-ferner: Es wurde Torres gerufen – der spanische Weltklassestürmer Fernando Torres diente als Pate. Nachdem dieser im Frühjahr abgegeben wurde, hielten die Sauers Ausschau nach einem Nachfolger – und wurden schließlich fündig. "Bei dem Pferd, für das wir uns entschieden haben, stand fest, dass es aufgrund seiner Abstammung einen Namen tragen muss, der mit D anfängt", erläutert Stefanie Sauer. "Als wir dann auf dem Weg nach Hamburg waren, ist mir eingefallen, dass wir bei uns ja auch einen Spieler mit D haben – den Ducksch. Ich fand das auf Anhieb gut – meine Eltern waren anfangs nicht ganz so überzeugt." Also wurde – quasi als eine Art Bewährungsprobe – ein Deal geschlossen: Schießt Marvin Ducksch beim Spiel in Osnabrück ein Tor, dann soll der Hengst seinen Namen tragen.

Das Pferd trägt seinen Namen
Für die Sauers ist der 23. Mai dementsprechend ein ganz besonderer Spieltag. "Als der Kader feststand, habe ich den als Screenshot zu meinen Eltern in die WhatsApp-Gruppe geschickt, den Ducksch eingekreist und geschrieben: 'Daumen drücken'", erinnert sich Stefanie. Das Spiel in Osnabrück schauen alle drei dann gemeinsam im TV. "Duckschi" sitzt zunächst auf der Ersatzbank. Nach knapp einer Stunde wird er beim Stand von 2:1 für die Gastgeber zusammen mit Hendrik Weydandt eingewechselt.

Traf in Osnabrück gleich doppelt: Ducksch

Dann dreht die Partie. 96 rennt an, Osnabrück kann dem Druck nicht lange standhalten – in der 74. Minute wird Genki Haraguchi im gegnerischen Strafraum rüde gefoult. Es gibt Elfmeter! Der Schütze lässt Familie Sauer im heimischen Wohnzimmer schwitzen: "Als Ducksch zum Punkt ging, war die Nervosität doch vorhanden", sagt Tochter Stefanie. Der Torjäger verwandelt sicher – und damit ist klar: Das Pferd trägt seinen Namen.

Der Name steht offiziell im Pass
Und die Sauers? "Wir haben uns gefreut – und haben alle aber auch gelacht. Das war ulkig, dass ausgerechnet er trifft. Und als er dann noch das zweite gemacht hat, da waren wir fast ein bisschen aus dem Häuschen." Spätestens da sind auch die Eltern restlos überzeugt. Kurz darauf wird der ungewöhnliche Pferdename schließlich auch amtlich besiegelt: "Er ist jetzt auch im Pass offiziell so eingetragen. Und auf Turnieren wird er dann auch mit 'Ducksch' vorgestellt“, berichtet Stefanie Sauer – und fügt schmunzelnd an. "Da freue ich mich schon drauf."

"Ducksch" tritt bald bei Turnieren an
"Ducksch" ist ein Dressurpferd, also kein ausgewiesener Sprinter, sondern mehr ein feiner Techniker. "Das könnte man so sagen", lacht Stefanie Sauer. "Aufgrund der Coronasituation sind wir noch nicht mit ihm auf einem Turnier gewesen, aber das ist auf jeden Fall geplant, und dann wollen wir mal schauen, was er so kann."

Treten demnächst gemeinsam bei Turnieren an: Annette Sauer und Ducksch

Das erste Turnier mit "Ducksch" im Klassement steht Anfang Juli an. Noch ist allerdings nicht ganz sicher, ob es wirklich stattfinden kann. Reiten wird ihn Mutter Annette. "Es werden bestimmte Lektionen von ihm verlangt", erläutert ihre Tochter Stefanie. "Erstmal nur im Schritt im Kreis gehen, dann im Trab und im Galopp – dazu Rückwärtsrichten und Seitwärtsgänge." Die ganz schwierigen Lektionen wie beispielsweise die anspruchsvollen Traversalen standen bisher noch nicht auf dem Trainingsplan. "Man muss erstmal abwarten, wie er das alles so mitmacht." Das Übungsprogramm ist dicht gestaffelt.

Der Namensgeber freut sich
Und was sagt der Namensgeber selbst dazu? "Dass die Tore gegen Osnabrück wichtig waren, habe ich da schon gedacht, aber dass sie so etwas nach sich ziehen, damit habe ich nicht gerechnet", lacht der Stürmer, der mit aktuell zehn Saisontore bester Schütze der Roten in der laufenden Spielzeit ist. "Ich finde es sehr, sehr cool, lustig und auch ein bisschen verrückt. Ich hätte niemals gedacht, dass mal jemand auf die Idee kommt, ein Pferd nach mir zu benennen."

"Dann checke ich mal, was für ein Typ er so ist."
Der Hengst steht in Engelbostel, dort wird er trainiert und auf die Wettkämpfe vorbereitet. "Wir hätten auch nichts dagegen, wenn Herr Ducksch mal vorbeikommen möchte", sagt Stefanie Sauer. Eine Einladung, die Torjäger Ducksch nicht ausschlägt: "Warum nicht?! Ich würde 'Ducksch' auf jeden Fall gern mal kennenlernen." Und grinsend fügt der 26-Jährige an: "Dann checke ich mal, was für ein Typ er so ist."

Einem gemeinsamen Foto mit Ducksch und "Ducksch" steht also nichts mehr im Wege. Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende – Fortsetzung folgt!

Gönnt sich gerne eine Karotte: Ducksch
Ist immer gut drauf: Ducksch