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Der Wunder-Mann: Ehemaliger Torjäger feiert 70. Geburtstag

Sein Treffer im August 1977 sorgte für eine Besonderheit: einen 96-Auswärtssieg im heimischen Stadion. Wie das möglich war und warum bei Klaus Wunder der Name früher durchaus Programm war, lest Ihr in unser Geschichte zum heutigen 70. Geburtstag des früheren Torjägers.

Klaus Wunder im Trikot unserer Roten.

Schnell und schussstark
Klaus Wunder stand in seiner Profikarriere für Tore, und zwar nicht nur für die Roten. Der Stürmer war schnell - die 100 Meter lief er in handgestoppten 10,8 Sekunden - und hatte mit links einen harten, bei Torhütern gefürchteten Schuss. In der Jugend spielte der in Erfurt geborene Wunder für Arminia Hannover, die "Blauen" sollten ihn in den folgenden Jahren auf unterschiedliche Weise begleiten.

Tore gegen die "Blauen"
Es überrascht deshalb nicht, dass Klaus Wunder immer noch von den hannoverschen Stadt-Derbys in der 2. Liga schwärmt: "Es sah damals kurzzeitig so aus, als ob sich die sportlichen Machtverhältnisse in Hannover ändern könnten", sagt Wunder. "Wir spielten damals meistens vor weniger als 10 000 Leuten, da waren 60.000 Zuschauer wie 1976 etwas Besonderes." Rot schlug Blau damals mit 1:0, im Rückspiel im April 1977 sorgte Wunder am Bischofsholer Damm mit seinem Tor für den 2:1-Sieg von 96.

Kurioses Auswärtstor
Und dann ist da natürlich noch dieser Treffer am 6. August 1977: Arminia hatte Heimrecht, war für das Derby aber an den Maschsee umgezogen. 96 hatte also im heimischen Niedersachsenstadion ein Auswärtsspiel, das einzige Tor fiel bereits in der 7. Spielminute. Torschütze damals? Genau: Klaus Wunder.

Ein Einsatz im Nationalteam
Dass Klaus Wunder, den alle "Cäsar" nannten, Torjägerqualitäten besaß, hatte sich bereits vorher herumgesprochen. Der frühere 96-Spieler und Trainer des MSV Duisburg, Rudi Faßnacht, holte ihn zur Saison 1971/72 in den Bundesligakader. Beim MSV entwickelte sich der Amateur sehr schnell zum Stammspieler und gefürchteten Stürmer. Wunder schaffte es 1972 als Olympia-Amateur in die deutsche Olympiaauswahl. Am 5. September 1973 debütierte er in der deutschen Nationalmannschaft beim 1:0-Sieg in Moskau gegen die damalige Sowjetunion - es sollte sein einziges A-Länderspiel bleiben.

Wechsel zu den Bayern
Zur Saison 1974/75 wechselte er mit viel Vorschusslorbeeren zum FC Bayern München, denn in 94 Bundesligaspielen für den MSV Duisburg hatte Wunder 32 Tore erzielt.

Klaus Wunder wurde von alle "Cäsar" genannt.

Die Münchener zahlten für ihn 700.000 Mark, die damals zweithöchste Ablösesumme in der Bundesligageschichte. Doch das mit Weltmeistern gespickte Bayern-Team war satt, das erste Spiel mit seinem neuen Klub verlor Wunder bei Kickers Offenbach mit 0:6 - noch heute ist dieses Spiel ein Bundesliga-Klassiker. 

Europacupsie in Paris
Am Saisonende wurden die Bayern Zehnter – heute undenkbar -, gewannen aber den Europapokal der Landesmeister gegen Leeds United. Beim 2:0-Sieg im Pariser Prinzenparkstadion wurde Klaus Wunder für den späteren Bayern-Manager Uli Hoeneß in der 42. Minute eingewechselt - es war der größte Erfolg seiner Karriere. 

Abstieg trotz Wunder
In der Hinrunde der Saison 1975/76 spielte Wunder noch 16-mal für Bayern München, ehe er ab Dezember 1975 auf Leihbasis für Hannover 96 zum Einsatz kam. Einige 96-Präsidiumsmitglieder hatten mit Privatgeld geholfen, Wunder nach Hannover zu holen, den Bundesligaabstieg mit 96 konnte der Stürmer nicht verhindern.

 

Zu Besuch in der HDI Arena.

Tore, Tore, Tore
Die erste Saison mit Hannover 96  in der 2. Liga war für Wunder persönlich ein gutes Jahr. Er erzielte Tor um Tor, gegen Wacker 04 Berlin und Union Solingen traf er jeweils dreimal. „Ich habe insgesamt 21 Tore erzielt, aber es hat kaum jemand interessiert, weil 96 nicht in den Aufstiegskampf eingreifen konnte", sagt Wunder.

Trotz seiner überragenden Torquote (32 Tore in 59 Zweitligaspielen) blieb der erhoffte Wiederaufstieg in die Bundesliga aus, und so zog Wunder mit einer Fußverletzung, die er zu verheimlichen versuchte, zur Saison 1978/79 weiter zu Werder Bremen. Dort beendete er nach dem Bundesliga-Abstieg von Werder seine Profi-Laufbahn 1980 mit 30 Jahren - und spielte noch als Amateur in der Verbands- und Oberliga beim TuS Gohfeld und TuS Hessisch Oldendorf.

Von 1982 bis 2019 betrieb Wunder ein Squash- und Tenniscenter mit angeschlossener Gastronomie in Hemmingen und wohnt heute noch vor den Toren von Hannover.
hr/kös

Zum heutigen 70. Geburtstag wünscht Hannover 96 "Cäsar" alles Gute!