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Happy Birthday, Michael Schjønberg: Pokalheld von 1992 feiert 55. Geburtstag

Heute - am Tag des DFB-Pokal-Spiels gegen die Fohlen - feiert Michael Schjønberg im dänischen Esbjerk seinen 55. Geburtstag. Schjønberg ist in Hannover eine Pokal-Legende und bekanntlich Gladbach-Besieger. Was liegt da näher, als mit ihm über das DFB-Pokalfinale 1992 zu sprechen?

Michael Schjønberg 1992 mit dem DFB-Pokal - und neben ihm: Jörg "Colt" Sievers (Foto: imago images/Werek)

Schjønberg mit dem entscheidenden Treffer
Die Geschichte dürfte bekannt sein: Hannover 96 entwickelte sich in der Saison 1991/1992 unter Trainer Michael Lorkowski zum DFB-Pokalschreck. Und so stand weder ein Bundesligist aus Bochum, Dortmund, Karlsruhe oder Bremen am 23. Mai 1992 im Finale gegen Borussia Mönchengladbach auf dem Platz, sondern der Zweitligist aus Niedersachsen. Nach 120 torlosen Minuten ging es ins Elfmeterschießen. Michael Schjønberg schoss den entscheidenden Elfmeter zum 4:3-Sieg. Hannover war Pokalsieger.

"Da habe ich ihn ausgeguckt ..."
"Ich habe so viel Glück in meiner Karriere gehabt, darauf stoße ich auch heute an. Der Pokalsieg ist für mich wie ein zweiter Geburtstag. Man war dabei und hat Geschichte geschrieben – das vergisst du nie", sagt Michael Schjønberg heute über den Triumph. Entsprechend genau kann er sich an das Finale erinnern – sogar an die Uhrzeit. "Es war 20.37 Uhr. Ich habe Gästetorwart Uwe Kamps bei den ersten Elfmetern genau studiert und gemerkt, dass er nach links schaute und nach rechts sprang. Da habe ich ihn ausgeguckt und den Elfmeter für 96 verwandelt."

Schjønberg und die 05er-Serie
Schjønberg kam zur Saison 1990/1991 von Esbjerg fB aus der 2. Division zu 96. "Es war meine erste Station im Ausland. Bei einem Besuch meines Freundes Allan Nielsen, der bei Bayern München aktiv war, fiel ich dem Amateurtrainer Hans-Dieter Schmidt auf. Schmidt war ein Jahr später Manager bei 96 und hat mich nach Hannover geholt. So begann meine 05er-Serie. Mein erstes Spiel für 96 gab ich am 21. September 1990 zu Hause beim 1:1 gegen Schweinfurt 05. Mein erstes Tor erzielte ich am 14. April 1991 beim 3:1-Sieg bei Schweinfurt 05 zur 1:0-Halbzeitführung."

"Ich schieße als Letzter"
Hannover spielte 1991/92 in der Liga eine solide Saison und qualifizierte sich für die Aufstiegsrunde, doch am Ende stieg Bayer 05 Uerdingen auf. Der Pokalsieg bleibt aber unvergessen. "In Hannover hat uns das Publikum zu den Siegen im Viertelfinale gegen Karlsruhe und im Halbfinale gegen Werder Bremen förmlich getragen. Für mich persönlich war es ein Riesenvorteil, vor vollem Haus in Berlin das Finale zu spielen. Das hat mir einen enormen Schub gegeben. Nach der Verlängerung war ich zu Coach Lorko gegangen und habe gesagt: 'Ich schieße als Letzter.' Er lächelte mich an und sagte 'Super ...'. Wenn ich mir damals beim Elfmeter Gedanken gemacht hätte, wie viele Leute im Stadion zuschauen, dann hätte ich mir in die Hosen gemacht und wäre nach Hause gegangen ..."

Als 96-Trainer ungeschlagen im Pokal
1994 wechselte Michael Schjønberg zu Odense BK. 1998 wurde er deutscher Meister mit Kaiserslautern. Schjønberg beendete seine Spielerkarriere während der Saison 2000/01 und wurde Trainer. Auch in dieser Funktion war er bei 96 aktiv. Ab November 2005 arbeitete er als Co-Trainer an der Seite von Peter Neururer bei Hannover 96. Nach dessen Rücktritt Ende August 2006 betreute Michael Schjønberg 96 beim DFB-Pokalspiel bei Dynamo Dresden als verantwortlicher 96-Trainer. "Ich bin als 96-Cheftrainer ungeschlagen, das Pokalspiel in Dresden haben wir ja 3:2 gewonnen. Ich durfte danach die Amateure bei 96 trainieren. Es war eine schöne Zeit", beschreibt er sein zweites Engagement bei Hannover 96.

Neue Aufgabe nach dem Fußball
Heute arbeitet Michael Schjønberg nach einigen Trainerstationen in Dänemark in einem Heim für benachteiligte Jugendliche in Odense. "Da kann ich täglich erleben, welche Emotionen der Fußball freisetzen kann", sagt er über seine Leidenschaft. "Natürlich schaue ich immer auf die Ergebnisse meiner Vereine in Deutschland, denn in Hannover und in Kaiserslautern habe ich noch viele Freunde und mein Herz schlägt für diese Klubs. Leider spielen sie derzeit nicht mehr ganz oben. Aber ich traue heute Abend 96 einen Sieg zu."
 
"Man muss nur an sich glauben"
Wie ein Sieg gegen Gladbach im DFB-Pokal gelingen kann, weiß natürlich Schjønberg. "Man muss nur an sich glauben – das klingt zwar wie eine Platitüde, aber im DFB-Pokal ist in einem Spiel alles machbar, man muss nur an sich glauben und bis zur letzten Sekunde alles geben. Dann kann man auch den Favoriten schlagen."
dk