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Nicolo Tresoldi im Interview über sein erstes Brügge-Jahr, Robert Lewandowski und seine 96-Beziehung

Im vergangenen Sommer wechselte Ex-96-Stürmer und Akademie-Eigengewächs Nicolo Tresoldi von der Leine an die Nordsee nach Brügge. Viel Zeit zum Akklimatisieren brauchte der 21-Jährige nicht - er rangiert in der belgischen Liga auf dem ersten Platz der Torschützenliste und traf vor den Augen von Lamine Yamal und Robert Lewandowski gegen den FC Barcelona. Wir haben mit ihm über sein Einleben beim FC Brügge, das Verfolgen von 96 und seine Verbindungen nach Hannover gesprochen.

/ Profis
Nicolo Tresoldi bejubelt ein Tor im Brügge-Trikot.
Nicolo Tresoldi erzielte in 53 Pflichtspielen 18 Tore. (Foto: IMAGO/Belga)

Hallo Nicolo, schön, dass wir mal wieder sprechen! Ein Jahr ist Dein Abschied von 96 nun schon fast her. Deswegen erstmal die Fragen: Wie geht es Dir aktuell in Brügge und wie hast Du Dich in den ersten Monaten eingelebt?

Nicolo Tresoldi (21): "Mir geht es sehr gut, danke! Es macht hier wirklich viel Spaß. Gerade die Tatsache, dass wir um Titel spielen, auch jetzt gerade, das ist schon cool. Am Anfang war es für mich nicht ganz leicht, dass ich durch die U21-EM keine Vorbereitung hatte. Dann bin ich in ein neues Land mit einer neuen Sprache gezogen. Aber alle hier haben mir viel geholfen."

Also fühlt es sich nach wie vor gut an für Dich?

Tresoldi: "Das war der richtige Schritt, davon bin ich überzeugt. Das sieht man mir auch an: Ich habe Champions-League-Erfahrung sammeln dürfen, in der Champions League Tore erzielt, und treffe auch in der Liga regelmäßig. Daran merkt man einfach, wie viel Spaß es mir macht. Ich bin glücklich über meine Entscheidung, auch wenn es natürlich nicht einfach war, 96 und Hannover zu verlassen."

Deine Eltern sind mit Dir nach Belgien gezogen. Hat Dir das den Wechsel nach Belgien erleichtert?

Tresoldi: "Genau, meine Mutter ist fest mit mir nach Brügge gezogen. Und auch mein Vater kommt häufig vorbei. Das hat es definitiv einfacher gemacht. Gerade auch in Hinblick auf den Führerschein, den ich immer noch nicht habe (lacht). Das hat mir gerade am Anfang das Ankommen hier wirklich erleichtert. Wir wohnen außerdem nicht direkt in Brügge, sondern in Knokke. Das liegt direkt am Strand. Gerade im Sommer kann man das richtig Genießen."

Du spielst eine starke Saison und triffst regelmäßig – worauf führst Du deinen aktuellen Lauf zurück?

Tresoldi: "Natürlich haben meine Mitspieler, die viel Qualität haben, einen großen Anteil daran. Das hilft mir letztlich. Aber es ist auch unser Spiel: Wir spielen einen offensiven Fußball, kreieren viele Chancen und schießen allgemein viele Tore. Ich habe eine hohe Aktionsdichte im Strafraum, wo ich meine Stärken nutzen kann. Ich habe einfach den nächsten Schritt gemacht."

Wie genau äußert sich das Deiner Meinung nach?

Tresoldi: "Das bezieht sich nicht nur auf den fußballerischen Aspekt. Auch körperlich habe ich nochmal zugelegt und viel an mir gearbeitet. Das Niveau, auf dem wir in Brügge arbeiten, ist schon echt hoch. Am Ende spielt dann aber auch der Erfolg eine Rolle: Wir gewinnen viele Spiele, da kommt man dann ganz natürlich in einen Flow. Jetzt wollen wir belgischer Meister werden."

Da sieht es ja gerade gar nicht so schlecht für Euch aus...

Tresoldi: "Wir haben noch vier Spiele und alles in der eigenen Hand. Wenn wir alle Partien gewinnen, haben wir unser Ziel erreicht. Es ist noch ein bisschen Weg zu gehen, aber ich denke, wir haben die Qualität, um Meister zu werden. Auch persönlich habe ich noch etwas vor: Ich möchte Torschützenkönig werden, stehe im Rennen darum gerade auf Platz eins."

Tresoldi schiebt gegen den FC Barcelona zum Tor ein.
Eines seiner drei Champions-League-Tore in dieser Saison erzielte Tresoldi gegen den FC Barcelona. (Foto: IMAGO/Sportimage)

Besonders in der Champions League konntest Du auch wichtige Tore erzielen: Wie erlebst Du diese besondere Bühne?

Tresoldi: "Klar, auch das macht echt Spaß. Das muss man sich manchmal vor Augen führen - vergangene Saison habe ich noch in der 2. Liga gespielt und nun trifft man in der Champions League auf Barcelona, Arsenal, Bayern und Atletico Madrid. Das ist natürlich schon ein Unterschied. Ich habe selbst gar nicht unbedingt damit gerechnet, dass es so schnell geht und ich direkt auch in der Champions League treffe."

Du hast immerhin gegen 'Barça' und 'Atleti' Tore geschossen.

Tresoldi: "Ich habe mich selbst damit ein bisschen überrascht, dass ich sofort auf so einem Top-Niveau mithalten kann. Ich bin 21 Jahre alt und hoffe selbstverständlich, dass ich noch viele Jahre Champions League vor mir habe."

Mit welchen Spielern hast Du das Trikot getauscht?

Tresoldi: "Mit Robert Lewandowski nach dem Spiel gegen Barcelona und mit Julian Alvarez, als wir auf Atletico Madrid getroffen sind (lacht)."

Welche Rolle nimmst Du aktuell innerhalb der Mannschaft ein?

Tresoldi: "Bei 96 war ich natürlich immer der kleine 'Nico', auch in der Kabine, weil ich früh aus der eigenen Akademie zu den Profis bin. Wir hier in Brügge haben generell eine sehr junge Mannschaft, da gibt es mittlerweile einige, die noch jünger sind als ich selbst. Ich denke, das hilft mir. Auch auf dem Platz bin ich noch reifer geworden, habe mehr Erfahrung gesammelt."

Nicolo Tresoldi stürmt im 96-Trikot.
Nicolo Tresoldi stürmte bis vergangenen Sommer für 96. (Foto: 96/Redaktion)

Kommen wir zu 96: Verfolgst Du noch die Spiele von Hannover 96?

Tresoldi: "Ich schaue so oft es geht auf meinem Tablet im Stream. So verfolge ich fast jedes Spiel, außer wenn wir natürlich zeitgleich spielen. Es macht Spaß, die Jungs spielen zu sehen, auch wenn ich selbst gar nicht mehr so viele von ihnen kenne."

Wie nimmst Du die aktuelle Saison wahr?

Tresoldi: "Der Fußball, den die Mannschaft spielt, ist wahrscheinlich mit der beste der Liga. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass Kolja (Oudenne; Anm. d. Red.) in Karlsruhe getroffen hat. Wenn man sieht, wie nach dem Tor alle Spieler zusammengejubelt haben, auch Leo (Weinkauf; Anm. d. Red.), das ist schön zu sehen. Die Chance ist für 96 nach wie vor da. Ich drücke die Daumen."

Was verbindest Du mit dem Klub – gibt es Momente oder Menschen, an die Du besonders oft denkst?

Tresoldi: "Wir haben bei WhatsApp nach wie vor eine Gruppe mit unter anderem Kolja, 'Taddel' (Momuluh; Anm. d. Red.) und weiteren Jungs, in der wir fast jeden Tag noch schreiben. Da ist es zwar nur noch Kolja, der noch bei 96 spielt. Aber als wir im März mit der deutschen U21-Nationalmannschaft in Braunschweig gespielt haben, war ich in Hannover frühstücken mit Enzo, Kolja, Boris, Husseyn und Leo. Da sind wir also schon noch in Kontakt. Hannover wird immer meine Heimat sein. Gerade die Akademie-Zeit war auch schön."

Das freut uns natürlich sehr zu hören! Was vermisst Du denn am meisten an Hannover und Deiner Zeit bei 96 – sowohl sportlich als auch abseits des Platzes?

Tresoldi: "Die Straßenbahn! Das Bahnfahren zum Training war schon immer nett, das vermisse ich hier ein bisschen (lacht). Aber grundsätzlich vermisse ich schon die 96-Kabine, die Mitspieler von damals, den Staff und das Medienteam (lacht). Die Gespräche, die man hatte, bei denen auch viele Späße dabei waren. Und auch die Fans waren immer überragend, wie sie uns zuhause als auch auswärts unterstützt haben."

Jetzt fühlen wir uns geehrt! Können wir natürlich nur zurückgeben! Dann die letzte Frage: Was wünscht Du 96 jetzt?

Tresoldi: "Ich hoffe natürlich, dass sie ihre Ziele erreichen und die Saison erfolgreich beenden."

Danke Dir für Deine Zeit und das Gespräch, "Nico"!
nik

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