NIEMALSALLEIN

Jakob Meibeyer - Vize-Europameister im IRONMAN 2026

Wie jedes Jahr haben sich auch diesen Sommer wieder ein paar 96erInnen an die Langdistanzrennen gewagt, sei es nun beim beliebten Rennen in Roth oder auf ein IRONMAN-Rennen. Bei letzteren machte am 7. Juni Hamburg sowohl mit der EM als auch dem Verlauf des Renntages seinem Ruf wieder mal alle Ehre: Wind, Regen – und Staatsanwaltschaft und Staatsschutz kamen durch eine gefährliche Attacke Dritter mit gestreuten Metallspänen auf der Straße auch noch mit ins Spiel. Doch hart, härter, 96! Alle unsere Leute sind gut durchgekommen, ganz vorneweg Jakob Meibeyer, der trotz schwieriger Bedingungen und der gefährlichen Situation auf der Radstrecke zudem ein herausragendes Rennen ablieferte.

Eine Person auf einem Rennrad.
Jakob Meibeyer mit Topspeed auf dem Rad (Foto: Leon Budde)

Direkt von Hamburg zur WM nach Hawaii
8:25:21 Stunden, fünfter Gesamtplatz beim IRONMAN Hamburg, Vize-Europameister der AK M25–29 und direkt für Hawaii qualifiziert: Jakob Meibeyer von Hannover 96 Triathlon hat auf der Langdistanz ein echtes Ausrufezeichen gesetzt und wir haben daher mit ihm nach dem Rennen ausführlich gesprochen – über seine sportliche Entwicklung, den Mut zu mehr und längeren Distanzen, seine nächsten Ziele und darüber, welche Rolle Hannover 96 auf all diesen Wegen spielt.

Jakob, herzlichen Glückwunsch zu diesem außergewöhnlichen Rennen. 8:25:21 Stunden auf der Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 178 Kilometer Rennrad und 42 Kilometer Laufen beim IRONMAN Hamburg, damit fünfter Mann im Gesamtfeld von rund 2.000 Startern und Vize-Europameister deiner AK M25–29. Mit welchem Ziel bist du morgens überhaupt an die Startlinie gegangen – und hast du mit einem solchen Ergebnis gerechnet?
Vielen Dank! Morgens an der Startlinie hatte ich eigentlich keine starre Zielzeit oder Platzierung im Kopf – ich wollte nach dieser besonderen Vorbereitung einfach nur schauen, wozu der Körper an dem Tag in der Lage ist. Die letzten Trainingswochen vorher haben zwar schon gezeigt, dass die Form wirklich gut ist, allerdings war ein riesiges Stück Ungewissheit dabei – wahrscheinlich noch viel mehr als vor meinen anderen Langdistanzen. Die direkte Vorbereitung war wegen der Verletzung stark komprimiert und es war am Ende fast eine Punktlandung, überhaupt so fit an der Startlinie zu stehen.

Wenn du auf die 8:25 Stunden zurückblickst: War das für dich eines dieser Rennen, bei denen einfach alles zusammenpasst, oder gab es unterwegs auch Momente, in denen es richtig schwierig wurde?
Ich bin mir relativ sicher, dass es keine Langdistanz ohne schwierige Momente gibt. Der entscheidende Punkt ist eher, wann diese kommen und wie man damit umgeht. Auf der Schwimm- und Radstrecke hatte ich nur kleinere Probleme, erst auf der Laufstrecke ab Runde drei von vier wurde es richtig hart. Sowohl körperlich als auch mental war ich dann total am Limit. Geholfen hat mir da eine Kombination aus wirklich ausgesprochen gutem Support am Streckenrand, der stark motiviert und mich durchgehend mit Informationen versorgt hat, mentalen Strategien, um mit der Situation klarzukommen, und einem ganz präzisen Plan für Pacing und Verpflegung, den ich dann „nur“ abarbeiten musste. Auch die gute Position im Rennen hat sicherlich noch einige Kräfte freigesetzt.

57:22 Minuten Schwimmen, 4:22:52 Stunden auf dem Rad und anschließend noch ein Marathon unter drei Stunden in 2:56:49 – welche der drei Leistungen hat dich selbst am meisten überrascht oder gefreut?
Sowohl der Radsplit in unter 4:30 Stunden als auch ein Sub-3-Stunden-Marathon sind in den letzten Rennen zu meinen Hauptziele geworden. Allerdings ist das Schwimmen – also die hier vermutlich schlechteste Zeit – die Disziplin, mit der ich am glücklichsten bin und was noch vor einem halben Jahr nicht wirklich absehbar war. Ich hatte im November letzten Jahres einen schweren Radsturz, bei dem ich mir unter anderem den Ellenbogen gebrochen habe. Die gesamten sechs Monate der konkreten Vorbereitung standen im Licht dieser Verletzung, erst Ende Februar konnte ich so halbwegs wieder mit echtem Schwimmtraining beginnen. Trotzdem wurden auch danach noch unzählige Stunden mit Physiotherapie und spezifischem Krafttraining verbracht, um eine halbwegs gute Schwimmzeit in Kombination mit einer guten Erholung zu ermöglichen.

Du warst 2024 bereits Dritter deiner Altersklasse bei der Challenge Roth. Jetzt folgten in Hamburg die Plätze zwei in der AK und vor allem fünf beim EM-Gesamtrang im Männerfeld. Woher kommt dieser deutliche Leistungssprung in den vergangenen zwei Jahren?
Der entscheidende Faktor für die gute Langdistanz ist vermutlich die Kontinuität im Training über viele Jahre – genau so ist auch diese Leistung zu begründen. Gemeinsam mit meinen Trainern haben wir immer wieder kleine Anpassungen an der Trainingsphilosophie gemacht, die grobe Strategie ist aber über die gesamte Zeit immer identisch geblieben. Ein dauerhaft hoher Umfang mit großem Fokus auf Belastungskontrolle, sodass das Risiko von Überlastungsverletzungen oder anderen längeren Trainingsausfällen so gering wie möglich gehalten werden kann. Da kann sich der Körper gut auf die Anforderungen für so eine Leistung einstellen bzw. dahin entwickeln.

Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, im Triathlon den nächsten Schritt zu wagen – von der Olympischen auf die Mittel-, von der Mittel- auf die Langdistanz und schließlich bis nach Hawaii zur WM?
Vermutlich gibt es nicht die eine richtige Antwort auf diese Frage. Ich habe einen relativ klassischen Weg genommen, um mich auf die längeren Distanzen vorzubereiten. Immer mindestens zwei Jahre auf eine Distanz fokussieren, bevor man die nächst längere Distanz anvisiert. Man kann sicherlich auch schon schneller auf die Mittel- oder sogar Langdistanz gehen, allerdings ist eine wirklich gute athletische Grundausbildung absolut entscheidend, damit der Körper die entsprechenden Trainingsreize auch verarbeiten kann. Je schneller man auf die längeren Distanzen geht, desto höher ist auch die Gefahr, dass man das eigene System überfordert – sowohl körperlich als auch mental – und seine Leistung und sein Potenzial nicht abrufen kann.

Wie sieht eigentlich der Trainingsalltag eines Athleten aus, der eine Langdistanz in 8:25 Stunden absolviert? Wie viele Stunden trainierst du in einer normalen Woche oder durchschnittlich und wie bekommst du Training, Beruf und Privatleben unter einen Hut?
Die Monate vor dem Wettkampf waren es meist knapp über 20 Stunden Training pro Woche, im Winter und besonders in der akuten Verletzungszeit aber deutlich weniger. Im Winter wird die Basis gelegt, die Monate vor dem Wettkampf sind dann aber maximal entscheidend, um gut vorbereitet an der Startlinie zu stehen. Meist waren es dann dreimal Schwimmen, viermal Laufen und Radfahren plus zwei Einheiten Krafttraining pro Woche. Dieses Jahr haben wir zusätzlich zu zwei Trainingslagern noch Hitzetraining mit in die Vorbereitung integriert.
Ich würde zusätzlich zu Training, Beruf und Privatleben auch noch den Faktor „Regeneration“ mit in die Liste aufnehmen. Das ist tatsächlich die größte Herausforderung für die Langdistanz, wenn man noch Vollzeit arbeitet, und lässt sich sicherlich auch nicht mit jeder Lebenssituation vereinbaren. Ich persönlich verbinde gerne die unterschiedlichen Aspekte. TrainingspartnerInnen, die auch gute Freunde sind, sind dafür ein gutes Beispiel. Mir war aber auch sehr wichtig, dass ich mir nach dem Wettkampf eine längere Auszeit von mehreren Wochen nehme, in denen ich dann deutlich weniger trainiere und mehr Zeit in Privatleben und Arbeit investieren kann – das ist bei mir für die „mentale Frische“ in den ambitionierten Trainingsphasen total entscheidend.

Du startest dieses Jahr für Hannover 96 Triathlon in der Oberliga-Mannschaft Hannover 96 II und bist schon seit einigen Jahren Teil unserer Abteilung. Welche Bedeutung haben Training, Wir-Gefühl und Mannschaft im Verein für deine eigene sportliche Entwicklung?
Für mich gibt es unzählig viele positive Aspekte an unserer Triathlonabteilung: Man kann sich fast sicher sein, dass bei jedem halbwegs bekannten Wettkampf mindestens eine weitere Person aus dem Verein am Start ist, am Streckenrand ist so ziemlich immer jemand als Unterstützung dabei. Viel wichtiger ist aber das gemeinsame Training: Man findet nicht nur viele Gleichgesinnte und TrainingspartnerInnen, sondern kommt ganz natürlich über das Vereinstraining in den Austausch mit Leuten aus allen Leistungsklassen. Das ist nicht nur interessant und gibt viele neue spannende Impulse, sondern hilft auch stark dabei, dass man nicht nur in „seiner Bubble“ unterwegs ist, sondern ein großes und diverses Netzwerk aufbauen kann.

Triathlon ist auf der Langdistanz einerseits ein sehr individueller Sport. Andererseits trainieren wir bei Hannover 96 gemeinsam und verstehen uns bewusst als Gemeinschaft. Was schätzt du persönlich an Hannover 96 Triathlon, am gemeinsamen Vereinssport und an der Vereinsarbeit?
Weil Triathlon so eine zeitaufwendige Sportart ist, besteht durchaus die Gefahr, viel allein zu trainieren. Durch regelmäßiges Vereinstraining, das ich persönlich mehrfach die Woche in meinen Trainingsplan eingeplant habe, kann man das wirklich gut umgehen. Die Trainingsqualität ist total hoch, aber trotzdem hat man auch einen sozialen und gemeinschaftlichen Aspekt bei jeder dieser Einheiten.

Gibt es TrainingspartnerInnen bei 96, mit denen du sportlich besondere Mehrwerte erreichst, von denen du besonders profitierst – vielleicht auch gerade deshalb, weil nicht immer alle dasselbe Leistungsniveau oder dieselben Wettkampfziele haben?
Ja, sogar einige. Ein großer Teil ist auch bei Hannover 96 Triathlon – entweder habe ich sie dort kennengelernt oder ich konnte sie davon überzeugen, unserem Verein beizutreten. Als ich mit dem Triathlon angefangen habe, hatte ich eine wirklich stark ausgeprägte Schwimmschwäche. Daher bin ich auf einer der langsameren Bahnen beim Vereinstraining gestartet und konnte mich Stück für Stück hocharbeiten – in jeder Geschwindigkeit gibt es bei uns eine passende Bahn. Von der Kraulschule bis zu den Leuten, die bei IRONMAN-Rennen in Führungsposition aus dem Wasser gehen.

Was würdest du jüngeren oder neu einsteigenden TriathletInnen bei Hannover 96 mitgeben, die solche Zeiten sehen und dann denken: „8:25 Stunden – das ist für mich eine völlig andere Welt“?
So eine Zeit kann natürlich etwas abschreckend sein – gerade wenn man mit dem Sport anfängt und sie mit seinen eigenen Zeiten vergleicht. Allerdings stand ich auch mal an der gleichen Stelle und war total von den unglaublich schnellen Zeiten in der Amateurspitze beeindruckt. Mich selbst hat es aber motiviert und genau das würde ich auch allen AnfängerInnen mitgeben. Es ist wirklich gut, sich davon anspornen zu lassen, jedoch muss man aufpassen, dass dadurch kein negativer Druck entsteht. Niemand der schnellen Athleten hat so schnell angefangen, dahinter stehen immer ganz viele Jahre an konzentriertem Training. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass man nicht den Zielzeiten hinterher eifert, sondern dass der Prozess – der Weg zur Finishline und zu den guten Zielzeiten – das eigentliche Ziel ist. Wenn das Training keinen Spaß macht, dann wird es auf lange Sicht auch nicht funktionieren.

Mit deinem Ergebnis in Hamburg hast du dir direkt die Qualifikation für die IRONMAN-Weltmeisterschaft auf Hawaii gesichert – trotzdem soll es dieses Jahr noch nicht nach Kona gehen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Was müsste für dich zusammenkommen, damit Hawaii zum richtigen Zeitpunkt das große Ziel wie für so viele von uns wird?
Dieses Jahr habe ich bewusst den Quali-Platz abgelehnt, um nach der Verletzungsphase einen entspannteren Sommer machen zu können. Aber gerade dadurch bin ich mir jetzt sicher geworden, dass es nächstes Jahr dann nach Hawaii gehen soll. Das Quali-Rennen ist bereits ausgewählt und gebucht!

Wenn wir dich in fünf Jahren noch einmal für 96aktiv interviewen wollten – von welchem sportlichen Erfolg würdest du uns dann am liebsten erzählen können?
Gute Frage! Ganz sicher will ich in den nächsten Jahren mindestens eine oder sogar mehrere wirklich gute Leistungen auf Hawaii bei der IRONMAN World Championship gezeigt haben. Aber welche Platzierung oder Zeit es sein muss, damit ich glücklich damit bin, kann ich nicht vorher sagen. Das weiß ich jetzt noch nicht und werde es vermutlich auch erst durch ein Rennen dort herausfinden. Ich würde aber auch wirklich gern mal in der 2. Bundesliga starten, das steht definitiv noch auf meiner Liste.

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