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Martin Kind und Julian Battmer sprechen im Interview über den 96-Weg

Vor exakt zehn Jahren wurde die 96-Akademie nach dem Neubau in ihrer heutigen Form eröffnet. Anlässlich dieses Jubiläums, das über die Saison hinweg mit weiteren Aktivitäten gefeiert wird, haben wir mit Martin Kind und dem Direktor der 96-Akademie Julian Battmer über die Entwicklung der Infrastruktur, die Bedeutung der Nachwuchsförderung und die Menschen, die den 96-Weg prägen, gesprochen.

/ Profis, Akademie
Martin Kind und Julian Battmer.
Martin Kind und Julian Battmer im Eilenriedestadion. (Foto: 96/Redaktion)

Herr Kind, wenn Sie an die 96-Akademie denken. Was haben Sie als Allererstes im Kopf?

Martin Kind (82): Die Bedeutung der Akademie in der Gesamtstrategie der sportlichen Entwicklung von Hannover 96. Ich bin wirklich stolz auf diese Akademie, ebenso wie ich stolz bin auf die Heinz von Heiden Arena. Beides sind entscheidende Investitionen im Sinne der Infrastruktur, die Hannover 96 getätigt hat. Mit dieser Akademie haben wir ein Niveau erreicht, mit dem wir den Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung mit hauptamtlichen Mitarbeitern anbieten können – immer natürlich mit der Zielsetzung, dass einige von ihnen den Sprung in unsere erste Mannschaft schaffen. Daran arbeiten wir. Das Fazit bis heute: Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg und es war eine gute Entscheidung, diese Investitionen umzusetzen.

Julian, Du bist derjenige, der hier tagtäglich vor Ort ist und auch viele Gäste empfängt, sowohl aus Hannover als auch deutschlandweit und international. Was ist das Feedback von Menschen, die das Gelände zum ersten Mal gesehen haben?

Julian Battmer (41): Die Leute sind sehr beeindruckt und immer sehr, sehr positiv. Und man muss sagen, auch nach zehn Jahren erleben wir immer noch Menschen, die hier reinkommen und das Gefühl vermitteln, dass ihnen das, was hier entstanden ist, gar nicht so bekannt war. Aber es zeigt, wie professionell Hannover 96 schon vor vielen Jahren gedacht hat. Denn viele der Dinge, die hier umgesetzt worden sind, sind heute auf jeden Fall noch auf sehr hohem Standard und ermöglichen uns, jeden Tag auf wirklich hohem Niveau die Arbeit mit unseren Spielern umsetzen zu können.

Welche Dinge sind das?

Julian Battmer: Was vielen als Erstes ins Auge fällt, ist diese Kombination aus neu und alt an einem Platz, wenn ich zum Beispiel auf den modernen Athletikbereich schaue, der hier in dieses alte Stadion integriert ist, und natürlich unsere vier Rasen- und die zwei Kunstplätze sowie die zwei Kleinspielfelder schaue. Und auch die Lage an der Eilenriede macht die Akademie zu einem besonderen Ort. Ich bin selbst in Hannover geboren und weiß, dass die Eilenriede als riesige Grünfläche mitten in der Stadt eben ein ganz besonderer Ort ist – und diese Lage führt auch zu dieser besonderen Ruhe, mit der wir hier arbeiten zu können, umgeben von 100 Jahre alten Bäumen. Aber auf der anderen Seite steht die Akademie auch für das neue Moderne mit einem Internat, das auf jeden Fall bis heute allen Ansprüchen gerecht wird, oder mit den Büros für die Mitarbeitenden.

Vor 10 Jahren ist die Akademie nun so, wie wir sie heute kennen, neu eröffnet worden. Sie haben das Projekt damals selbst federführend getrieben und forciert. Warum war Ihnen das aus dem persönlichen Antrieb heraus wichtig?

Martin Kind: Ich glaube, man darf es so formulieren: Das Stadion und die gesamte Infrastruktur waren desolat. Darüber hinaus gab es hier öffentliche Wege durch unseren Stadionbereich. Der Hockey-Club (HCH) war auch zentral auf dem Gelände. Es war sehr diffus und im Ergebnis nicht möglich, die Struktur unter diesen Voraussetzungen erfolgreich zu entwickeln.

Wie sind Sie vorgegangen?

Martin Kind: Wir haben mit der Stadt und mit dem Hockey-Club Gespräche geführt – mit dem Ziel, dass diese öffentlichen Wege geschlossen werden und dass der Hockey-Club insofern verlegt wird, dass für uns möglich ist, hier eine geschlossene Einheit zu haben. Darüber hinaus war klar, dass wir das Stadion neu bauen. Heute ist es das zweitschönste Stadion in Hannover. (lacht) Wir haben den Platz um 90 Grad gedreht. Alt-Hannoveraner wissen, es lag genau in der anderen Richtung und hatte die Besonderheit einer 500-Meter-Bahn, die es sonst üblicherweise nicht gibt. Aber auch der Zustand war eben inakzeptabel. Ich habe dann mit der Stadt diese Verhandlung geführt.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist die 96-Akademie, die wir heute sehen.

Martin Kind: Die Nutzung der Flächen haben wir im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages mit einer Laufzeit bis 2096 geregelt. Das Architekturbüro schulze & partner hat die Planung für das Eilenriedestadion und die weiteren Gebäude nach den Vorgaben, die wir definiert haben, umgesetzt. Ich glaube, dass hier richtig gute Arbeit geleistet wurde. Es ist eine attraktive Akademie entstanden. Wir bei 96 und insgesamt in Hannover können stolz sein, dass wir eine solche Akademie hier an unserem Standort haben.

Man kann sich vorstellen, die Neuerfindung eines so großen Geländes ist extrem komplex. Wie umfangreich war dieser Prozess?

Martin Kind: Sie müssen etwa zwei Jahre Vorlaufzeit für Planung und Ausschreibung beachten. So war es auch bei der heutigen Heinz von Heiden Arena, als wir sie zur WM-Arena 2006 neugebaut haben. Aber das ist auch eine Zeit, die sinnvoll genutzt werden kann, um die Planung immer wieder zu vertiefen, weiterzuentwickeln, zu verändern, um irgendwann zu sagen: Das ist die Lösung. Und so war es hier auch.

Erreicht wurde ganz bewusst ein Mix aus neu und alt. Was war dabei zu beachten?

Martin Kind: Wir hatten zu berücksichtigen, dass diese Tribüne, auf der wir jetzt sitzen, die ehemalige Haupttribüne, denkmalgeschützt ist. Auch die Stehplätze des alten Eilenriedestadions waren denkmalgeschützt. Dafür haben wir mit dem Denkmalschutzamt einen Kompromiss gefunden, dass wir den historischen Tribünenbereich mit Boden auffüllen, aber darunter die Stehplätze so erhalten bleiben wie zuvor. Wir haben also natürlich die Auflagen des Denkmalschutzes hier berücksichtigt, haben aber versucht, Modernität mit der Vergangenheit zu verbinden.

Julian, was setzt die 96-Akademie im Vergleich zu anderen Standorten ab? Was ist das, was sie besonders auszeichnet?

Julian Battmer: Es ist eine außergewöhnliche Infrastruktur entstanden, in der man sehr professionell arbeiten und auf höchstem Niveau Spieler ausbilden kann. Was uns dabei absetzt, ist sicherlich der spezielle Standort in Kombination mit den besonderen Menschen, die über die Zeit den Weg in diese Akademie gefunden haben. Also, all die Trainer, Betreuer und weiteren Mitarbeitenden, die das Leben und Arbeiten hier einerseits natürlich leistungsorientiert, aber gleichzeitig eben auch familiär gestalten. Das sind zentrale Bausteine des Konzepts, das wir in den zurückliegenden Jahren so weiterentwickeln konnten und mit dem aus meiner Sicht unser 96-Weg etwas sehr Individuelles ist für die inhaltliche Gestaltung unserer Arbeit an einem besonders schönen und außergewöhnlichen Platz.

Was zeichnet den 96-Weg inhaltlich aus?

Julian Battmer: Wir haben im 96-Weg alles integriert, was die Ausbildung für einen jungen Spieler bedeutet – auf und neben dem Platz. Wir legen sehr großen Wert darauf, dass die Spieler neben dem Fußball auch die Möglichkeit haben, den höchstmöglichen Schulabschluss zu erreichen, aber auch Dinge wie Demut und Respekt zu erlernen und gleichzeitig Hochleistungssport zu betreiben. Am Ende ist das, was wir hier machen, Tag für Tag Arbeit an den sportlichen Fähigkeiten, aber auch an den Fähigkeiten, die man als Mensch im Leben braucht. All das zusammen soll der 96-Weg ermöglichen. Deswegen spielen die Menschen, die unsere Akademie hier zusammen nach vorne bringen, eine ganz große Rolle.

Herr Kind, wie zufrieden sind Sie mit der inhaltlichen Entwicklung der Nachwuchsarbeit?

Martin Kind: Ja. Damit bin ich glücklich. Ich bin auch dankbar, dass sich die Philosophie bestätigt hat. Aber es sind immer Menschen, die für solche Entwicklungen stehen. Und wir haben uns rechtzeitig, denke ich, dafür entschieden, die Akademie professionell zu entwickeln. Das heißt, mit hauptamtlichen Mitarbeitern zu arbeiten und auch eine eigene DNA hier inhaltlich zu definieren – mit dem Ziel, Talente zu fördern und sie im besten Fall bei Hannover 96 zu Profis zu entwickeln. Durch die Infrastruktur mit dem Internat sind wir inzwischen bundesweit bekannt. Wir bekommen Bewerbungen von Talenten aus ganz Deutschland. Das zeigt: Es spricht sich in diesem Markt schon herum, dass hier professionell und erfolgreich gearbeitet wird.

Julian, wie haben sich die Anforderungen an die Nachwuchsförderung in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Julian Battmer: Nachwuchsarbeit war natürlich auch vor zehn Jahren schon ein Fokus. Internationale Standards sind aber immer höher geworden, der eigene Nachwuchs spielt eine immer größere Rolle. Man muss aber auch die Möglichkeiten dafür haben: den Platz, an dem man Spieler ausbildet, und die Menschen, die das auf diesem Niveau leisten können. Beides ist bei uns gewährleistet, weil man sich hier in Hannover frühzeitig für einen Weg im Sinne der Nachwuchsförderung entschieden und dabei weit gedacht hat.

Wie wirkt sich das auf die sportliche Entwicklung aus?

Julian Battmer: So etwas wächst über die Jahre. Unsere Jahrgänge sind immer stärker geworden. Gleichzeitig sind natürlich auch die Anforderungen an die Qualität der Spieler im Profifußball gestiegen. Da müssen wir mitgehen. Das bedeutet nicht, dass wir stehen bleiben. Wir schauen immer wieder: Was sind die nächsten Schritte, die wir gehen müssen? Ich glaube, dass wir gut aufgestellt sind, um auch bei den künftigen Entwicklungen auf dem internationalen Markt mithalten zu können.

Herr Kind, mit Nicolo Tresoldi spielt ein ehemaliger 96-Nachwuchsspieler inzwischen Champions League und ist auf dem Weg, den ewigen Torrekord der deutschen U21 zu reißen. Was bedeutet Ihnen diese Entwicklung?

Martin Kind: Ich weiß nicht, ob Stolz das richtige Wort ist. Es ist einfach eine große Freude. Wir brauchen immer zwei: den Ausbilder und den Auszubildenden, der es auch annimmt, lebt und umsetzt. Das ist eine Zweibahnstraße. Aber er bestätigt eindrucksvoll, dass die Philosophie der Leistungsentwicklung, der Professionalität und des Erfolgs, aber auch der Bildung und der Persönlichkeit – dass dieses Gesamtpaket sich hier entwickelt hat. Und ergänzend ist natürlich auch das Wirtschaftliche zu betrachten: Einen solchen Spieler zu veräußern, wenn er die Möglichkeit hat, den nächsten Schritt zu gehen, ist auch nicht unattraktiv. Auch das ist ein Baustein einer solchen Entwicklung.

Zumal eine Akademie erhebliche Investitionen und laufende Kosten verursacht.

Martin Kind: Die Investitionskosten lagen vor mehr als zehn Jahren bei 18 Millionen Euro netto, also ohne Umsatzsteuer. Hinzu kamen ergänzende Investitionen in die Infrastruktur. Für unsere Verhältnisse war es schon eine mutige Entscheidung, eine solche Investition umzusetzen. Und die laufenden Kosten pro Saison liegen etwa zwischen 6,5 und sieben Millionen Euro. Hier muss man wissen, dass in der Akademie nur geringe Umsätze erzielt werden. Das heißt im Umkehrschluss: Die Philosophie ist deutlich. Wir wollen Talente entwickeln und müssen von Zeit zu Zeit auch Talente verkaufen, um Erlöse zu erzielen und diesen Haushalt wirtschaftlich mindestens begründen zu können.

Julian, welche Bedeutung haben Vorbilder wie Nicolo Tresoldi für die jungen Spieler in der Akademie?

Julian Battmer: Solche Vorbilder spielen natürlich eine große Rolle. Genau deswegen haben wir in den letzten Jahren sehr darauf geachtet, dass die Vorbilder, die wir hier schaffen, auch Persönlichkeit haben und für die Jungs auf allen Ebenen Vorbild sein können. Und klar: Die allermeisten Talente in unserer Akademie haben den Traum und das Ziel im Kopf, irgendwann in unserer ersten Mannschaft zu spielen. Aber dabei sollte man nicht ganz in der Betrachtung vergessen: Wir haben auch Profis ausgebildet, die ihre ersten Spiele bei anderen Vereinen gemacht haben. Die Ausbildung zielt darauf ab, dass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, eines Tages professionell Fußball zu spielen. Selbstverständlich ist es das höchste Ziel, dass sie bei uns in unserer Arena ihre ersten und dann hoffentlich viele weitere Profischritte machen.

Martin Kind: Das würde ich gerne ergänzen mit Blick auf die Perspektive der jungen Talente – dass sie sich mit 14, 15 oder 16 Jahren entscheiden: "Ich will Profi werden, dies bedeutet Leistungssport." Und dass sie dann wirklich bereit sind, ihr Leben diesem Ziel unterzuordnen und sich hier mit hohem persönlichem Engagement entwickeln wollen, das finde ich super. Höchsten Respekt vor diesen jungen Menschen, die sich entschieden haben, diesen Weg zu gehen, und Anerkennung.

Welchen Stellenwert hat die Nachwuchsarbeit heute in der Gesamtstrategie von Hannover 96?

Martin Kind: Sie ist ein ganz wichtiger Baustein, vielleicht sogar der wichtigste. Der Transferaufwand hat inzwischen Dimensionen erreicht, die insbesondere für Zweitligisten nicht mehr finanzierbar sind. Das heißt, wir müssen die Philosophie anpassen, was wir ja auch getan haben. Dass wir genau diesen Weg gehen, noch stärker die Konzentration darauf zu legen, junge Menschen auszubilden, damit sie im besten Fall unsere Profis von morgen werden. Das ist ein wichtiges Fundament der Gesamtstrategie.

Julian, wie unterstützt Ihr den Übergang von der Akademie in den Profifußball?

Julian Battmer: Wir versuchen, alle Möglichkeiten auszureizen. Wir haben eine sehr erfolgreiche U23, die in den letzten Jahren gezeigt hat, wie nah wir mit unserem Nachwuchs schon an den Profifußball herangerückt sind. Wir haben ein Jahr in der 3. Liga gespielt – als erste U23 eines Zweitligisten, das darf man sicherlich an dieser Stelle noch einmal erwähnen. Wir versuchen grundsätzlich, alle Voraussetzungen so anzupassen, dass wir so nah wie möglich an unserer Lizenzmannschaft dran sind, und gestalten den Übergang für diejenigen, die sich hervortun, bestmöglich fließend.

Wie gestaltet Ihr die Zusammenarbeit mit der Lizenzmannschaft?

Julian Battmer: Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen für die Lizenzmannschaft erfolgreiche Konzepte auf den Weg gebracht und sehr gute Kommunikationsstrukturen mit dem Profitrainerteam entwickelt. Der eine oder andere Mitarbeiter hat inzwischen auch den Weg aus der Akademie in den Profibereich genommen. Auch das gehört zum 96-Weg: die Menschen, die hier tagtäglich arbeiten, auf eine möglichst hohe Qualität zu bringen, damit sie irgendwann auch oben arbeiten können. Das trägt natürlich dazu bei, dass unsere Jungs gesehen werden und ihre Qualitäten bekannt sind. Wie in jedem Unternehmen geht es am Ende darum, alle Abteilungen bestmöglich zusammenzuführen, um das Größtmögliche für unsere Spieler herauszuholen.

Martin Kind: Vielleicht eine Ergänzung: Wir haben versucht, eine wirkliche Schnittstelle zwischen der Akademie und dem Profifußball zu etablieren. Das ist auch überwiegend gelungen. Es muss klar sein, dass wir gemeinsam arbeiten und die Talente, die bei uns sind, individuell fördern und fordern, damit sie diese positive Entwicklung nehmen können. Das ist ein ganz wichtiges Asset in der Gesamtplanung von Hannover 96.

Sie ermuntern Menschen immer wieder, die Akademie selbst zu besuchen. Haben Sie hier eigentlich einen persönlichen Lieblingsort?

Martin Kind: Mir gefällt die gesamte Akademie: das Stadion, auch diese Tribüne, wenn man die Infrastruktur kennt, die wir dort umgesetzt haben, das Internat und die vielen Trainingsplätze, die wir hier haben. Das ist ein Gesamtensemble. Das beeindruckt mich immer wieder. Darauf bin ich auch stolz.

Julian, was ist Dein Lieblingsort auf dem Gelände?

Julian Battmer: Mein Lieblingsort ist hier auf der alten Tribüne - und dort die Spiele unserer Mannschaften zu schauen.

Was macht diesen Platz für Dich so besonders?

Julian Battmer: Hier sitzen wir an den Wochenenden, gucken uns die Spiele an. Auch Mitarbeitende, die am Wochenende eigentlich frei haben, kommen hierher, um die Spiele zu schauen. Hier ist für mich der Ort, an dem vieles zusammenläuft, was die Begeisterung für den Jugendfußball ausmacht.

Würdest Du Dir wünschen, dass das in Hannover noch stärker wahrgenommen wird?

Julian Battmer: Erst einmal muss man sagen, dass wir zuletzt erreicht haben, die Wahrnehmung der Akademie sehr positiv zu entwickeln. Aber ich würde mir natürlich wünschen, dass in der Stadt noch bekannter wird, welche guten Spiele unserer U19 und U17 hier stattfinden. Oder auch auf den anderen Plätzen: Wir haben an den Wochenenden internationale Leistungsvergleiche. Für mich ist das ein absolutes Highlight, wenn hier auf allen Plätzen gespielt wird und wir parallel vielleicht noch ein Drittligaspiel im Stadion haben. Hier wird richtiger Nachwuchsleistungssport betrieben. Das macht diesen Job so besonders. Ich sage unseren Mitarbeitern immer wieder: Ihr habt einen ganz besonderen Job, weil ihr so nah am Sport sein könnt. Das sollte man sich jeden Tag bewusst machen.

Wie viel Sensibilität erfordert die tägliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Julian Battmer: Sehr, sehr viel. Die Verantwortung, die wir tragen, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Es gibt auf der einen Seite viele Themen in der Prävention und beim Kinder- und Jugendschutz. Wir versuchen, bei Hannover 96 alle Voraussetzungen so zu schaffen, dass Risiken für die Kinder möglichst ausgeschlossen werden und gleichzeitig jedes Kind mit einem Problem Ansprechpartner findet. Aber dazu zählen auch Themen wie Mental Health. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit Burnout im Nachwuchsleistungssport. Die Kinder brauchen grundsätzlich dauerhaft Zugang zu den Ansprechpartnern – die Menschen und Anlaufstellen hier müssen immer für sie da sein. Wir wollen eine Akademie der Kommunikation sein, in der sich jemand traut, etwas zu sagen.

Wie geht ihr damit um, dass längst nicht alle Talente den Sprung in den Profifußball schaffen?

Julian Battmer: Wir wissen natürlich, dass es nicht jeder schafft. Die allermeisten werden im Laufe ihres 96-Wegs wahrscheinlich nicht bis in den Profibereich kommen. Deshalb sehen wir es als Teil unserer Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Spieler, die wir einmal aus anderen Vereinen bekommen haben, nach der Zeit hier auch anderswo wieder die Möglichkeit haben, ihrem Sport nachzugehen. Sie sollen später auf Hannover 96 zurückblicken und sagen: "Ich hatte da eine richtig gute Zeit, auch wenn ich den Weg vielleicht nicht ganz geschafft habe" – was bei so vielen Talenten in einer Sportart, die in Deutschland so groß ist, überhaupt nicht schlimm ist. Aber sie sollen sich hier – auch im Rückblick – wohlgefühlt haben. Das ist uns sehr, sehr wichtig.

Welche Themen werden die Entwicklung der 96-Akademie in den kommenden Jahren prägen?

Julian Battmer: Wir schauen jedes Jahr, wo sich Dinge so entwickeln, dass wir frühzeitig eingreifen müssen, damit kein Investitionsstau entsteht. Da ist man bei Hannover 96 in den vergangenen Jahren sehr nachhaltig unterwegs gewesen. Natürlich muss nach zehn Jahren auch der eine oder andere Platz oder ein Internatszimmer wieder renoviert werden. Also ganz normale Themen bei Gebäuden und Infrastruktur.

Und über die Infrastruktur hinaus?

Julian Battmer: Wir haben auch gesellschaftliche Herausforderungen. Ein weiteres wichtiges Thema bleibt die schulische Bildung. Mit der KGS Hemmingen haben wir seit über 15 Jahren eine besonders gute Kooperation. In anderen Ländern sieht man, wie viele zusätzliche Möglichkeiten digitale Medien bieten, um Schule und Nachwuchsleistungssport noch besser miteinander zu verbinden. Diese Entwicklung wollen wir in den kommenden Jahren so eng und innovativ wie möglich begleiten.

Mit Mito HollyHock hat Hannover 96 bereits einen internationalen Partnerklub. Gibt es darüber hinaus weitere Ideen, Herr Kind?

Martin Kind: Ja. Grundsätzlich müssen wir nicht nur national denken – da sind wir gut aufgestellt –, sondern additiv auch international. Wir haben immer auch die Entwicklung des Transfermarktes zu berücksichtigen. Es kann sicherlich ein Ansatz sein, dass man in Afrika oder Südamerika mit Partnervereinen kooperiert, dort Akademien unterstützt und den Weg geht, Talente hier weiter auszubilden. Es bietet sich also an, Deutschland bei solchen Überlegungen gedanklich auch einmal zu verlassen.

Herr Kind, wenn Sie einen Wunsch für die weitere Entwicklung der 96-Akademie frei hätten: Welcher wäre das?

Martin Kind: Na gut, wir haben in den zehn Jahren auch wieder viel gelernt. Märkte entwickeln sich, verändern sich. Wir müssen uns anpassen. Aber wenn ich einmal zukunftsorientiert denke und unsere wirtschaftliche Handlungsfähigkeit sichergestellt ist, dann würde ich hier zum Beispiel noch eine Sporthalle bauen. Ich würde zwei weitere Plätze bauen und gerne auch eine Verwaltung hier auf dem Gelände errichten, damit Hannover 96 kompakt alle Leistungs- und Fortbildungsangebote sicherstellen kann.

Was gehört für Sie zu dieser Zukunftsvision?

Martin Kind: Wichtig für mich ist, dass dann auch die erste Mannschaft hier trainiert. Damit die Talente ihre Vorbilder viel näher sehen und Menschen haben, an denen sie sich orientieren können. Wenn wir wirklich weitere Schritte vorangehen wollen, müssen wir noch einige Investitionen hier umsetzen. Dann müssen wir auch unsere Strategie und die Philosophie weiterentwickeln. Also: Es ist ja kein Stillstand. Wir sind stolz auf das, was wir haben, aber immer in dem Wissen, dass wir uns weiterentwickeln wollen und müssen.

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