Nachwuchs

"Wir wollen optimal ausbilden"

Im Nachwuchsbereich von Hannover 96 verändert sich derzeit vieles. Mit dem Umzug ins neue Gebäude heißt das NLZ dann auch 96 - Die Akademie! Der erste Abschnitt des Neubaus rund um das Amateurstadion wird Ende Oktober beendet sein und auch die Ausrichtung wird unter der Führung von Jan-Moritz Lichte, der die Leitung in diesem Sommer übernommen hat, verändert und geschärft. In mehreren Episoden berichtet hannover96.de über wichtige Themen, die die Gestaltung der schwarz-weiß-grünen Zukunft prägen und ausmachen sollen.

Jan-Moritz Lichte leitet seit Sommer 2016 die Akademie.

"Die Jungs müssen immer gewinnen wollen"
Im ersten Teil geht es um eine der zentralen Grundsatzentscheidungen, von denen abhängt, ob ein Nachwuchsspieler eine Chance hat, den Sprung zu den Profis zu schaffen: Bei 96 steht die individuelle Entwicklung über mannschaftlichen Erfolgen. "Das ist für mich ein ganz entscheidender Faktor im Bereich 'Individuelle Entwicklung'", erklärt Lichte und stellt direkt klar: "Das heißt nicht, dass wir keinen mannschaftlichen Erfolg wollen." Im Gegenteil: Der Wille, Spiele und Wettbewerbe gewinnen zu wollen, sei ein ganz wichtiger Faktor: "Die Jungs müssen immer gewinnen wollen - in jedem Training und in jedem Spiel."

Was fehlt, um Profi zu werden?
Trainer und Sportliche Leitung müssten aber vor allem die Entwicklung der einzelnen Spieler, die es irgendwann einmal zu den Profis schaffen sollen, im Auge behalten. "Wir können nicht einen Spieler für den mannschaftlichen Erfolg opfern, wenn wir sehen, dass ihm etwas fehlt." Gerade in den älteren Jahrgängen müsse man erkennen, was ein Spieler noch braucht, um Profifußballer zu werden. "Das ist die entscheidende Frage für uns ab dem U17-Bereich", bekräftigt der Leiter der Akademie. "Wenn Mannschaftserfolg das Wichtigste ist, spielt dieser Spieler immer, weil er die Tore macht. Wir müssen aber erkennen: Der Spieler macht jetzt seine Tore, ist ein entscheidender Spieler, aber so, wie er momentan spielt, wird er das im Profibereich nicht machen können, weil ihm dafür einige Dinge fehlen – egal, ob technisch-taktischer oder vielleicht auch körperlicher Natur."

"Wir wollen keinen frühzeitig verlieren."
Jan-Moritz Lichte, Akademie-Leiter

Individuelle Extraprogramme
Die Konsequenz daraus ist klar: Spieler absolvieren Extraprogramme, um ihre individuellen Defizite auszugleichen und bestenfalls umzukehren. "Das kann zum Beispiel ein individuelles Acht-bis-zwölf-Wochen-Programm im Athletikbereich sein, weil wir erkennen, dass der Spieler mehr Stabilität oder mehr Ausdauer braucht. Oder weil es ein Sechser ist, dem genau diese Eigenschaften helfen würden oder weil es ein Stürmer ist, dem es noch ein bisschen an Explosivität fehlt, wo man aber mit Kraftzuwachs vielleicht noch etwas machen kann." Aufgrund der zusätzlichen Belastung kann es aber sein, dass dieser Spieler in dieser Zeit vielleicht am Wochenende nicht bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist. "Bei den Profis wird darauf hingearbeitet, am Wochenende die maximale Frische zu haben", erläutert Lichte. "Das kann nicht entscheidend sein in der Entwicklung des Spielers, aber es wäre entscheidend, wenn der Trainer das Gefühl hätte, es zähle nur das Ergebnis am Wochenende." Zudem gibt es eine Spielzeiten-Regelung, für alle Spieler bis zur U17, um allen Nachwuchsakteuren die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen und durch die Spielpraxis zu verbessern. Generell könne man lange Zeit nicht wirklich absehen, wer es am Ende schafft – und: "Wir wollen keinen frühzeitig verlieren."

Der Neubau des Amateurstadions wird Ende Oktober beendet sein.

"Werden uns irgendwann von anderen Leistungszentren abheben"
Bei allen Handlungen in der Nachwuchsausbildung steht also die individuelle Verbesserung der einzelnen Spieler im Vordergrund. Nicht viele Jugendspieler schaffen den großen Sprung nach oben, aber jedem soll die Möglichkeit gegeben werden, seine Fähigkeiten und sein Potenzial optimal auszuschöpfen. Dies ist ein Charakteristikum im 96-Nachwuchs: "Ich glaube, dass wir uns mit dieser konsequenten Herangehensweise, den Spieler im Blick zu haben und nicht das Team-Ergebnis, irgendwann von anderen Leistungszentren abheben werden, wo Trainer vielmehr daran gemessen werden, ob sie am Wochenende Spiele gewinnen und Titel holen." Lichte stellt klar heraus: "Wenn ein Spieler eine Chance haben will, dann werden individuelle Entwicklungsprogramme über den Mannschaftserfolg gestellt werden müssen - denn wir wollen optimal ausbilden."
hec