Profis

Cherundolo wird 40: "Das klingt nach Midlife-Crisis"

302 Einsätze - keiner hat häufiger für die Roten in der Bundesliga gespielt: Heute wird Steven Cherundolo 40 Jahre alt. Im Geburtstagsinterview mit hannover96.de spricht "Dolo" über große Wendepunkte in seinem Leben, Hannover 96 – und den Endspurt in der laufenden Bundesligasaison.

40 Jahre - was denkst Du, wenn Du das hörst?

Steven Cherundolo: Das klingt nach Midlife-Crisis. (lacht) Nein, Spaß beiseite: Die ersten 40 Jahre meines Lebens waren wundervoll. Ich durfte unheimlich viel erleben. Von mir aus darf's so weitergehen! In anderer Funktion natürlich - in erster Linie als Vater, aber natürlich auch beruflich: Spieler werde ich nicht noch einmal in diesen Leben. Im Moment ist es der Co-Trainer-, irgendwann der Cheftrainer-Posten.

Welche Rolle spielt Hannover 96 in 40 Jahren Steven Cherundolo?

Cherundolo: Schon eine sehr große Rolle. Eigentlich habe ich die komplette Zeit als Erwachsener irgendwie mit Hannover 96 zu tun gehabt - oder besser: zu tun haben dürfen. Der Klub hat mir sehr, sehr viel gegeben, und ich bin sehr dankbar dafür. Die Hälfte meines Lebens habe ich in Hannover verbracht - und es können gern noch ein paar Jahre mehr werden.

Nicht zu Halten: Steve Cherundolo verfolgt gemeinsam mit Markus Kreuz seinen Kumpel Altin Lala.

Was waren die drei wichtigsten Wendepunkte in Deinem Leben?

Cherundolo: Für mich persönlich natürlich erst einmal der Schritt, nach Hannover zu gehen. Das hat in meinem Leben alles auf den Kopf gestellt. Das war auch privat ein sehr schwieriger Moment, denn wenige Tage zuvor war mein Vater gestorben. Und dann kam plötzlich das große Abenteuer: Europa, Deutschland, Hannover, Bundesliga. Dann gab es noch zwei Ereignisse, die in Hannover passiert sind

Welche waren das?

Cherundolo: Ich habe meine Frau kennengelernt und bin Papa geworden. Die drei genannten Ereignisse sind natürlich nicht nach Priorität sortiert, sondern chronologisch. (lacht) 

Welche Entscheidung würdest Du nicht wiederholen, und was war Deine beste Entscheidung Deines Lebens?

Cherundolo: Also, alle privaten Entscheidungen würde ich wieder genauso treffen. Ich denke auch, die ganze Karriere lang für einen Verein zu spielen, das würde ich genauso wieder machen. Und das würde ich auch jungen Spielern empfehlen, wenn ihnen das ermöglicht wird. Wenn ich noch mal etwas rückgängig machen könnte, hätte ich wahrscheinlich nicht mitten in der Saison aufgehört - das war ja im März -, sondern ich hätte es mit einer längeren Pause und vielleicht einer zusätzlichen OP noch einmal versucht, die Spielerkarriere doch noch zu verlängern. Aber ganz erhlich: Letztlich war auch die Zeit danach super, und ich bin froh, an dem Punkt zu sein, an dem ich bin.

Von April bis Juni 2015 war "Stevie" als Co-Trainer von Michael Frontzeck tätig.

Was nimmst Du Dir für die nächsten 40 Jahre vor?

Cherundolo: Auf jeden Fall privat weiterhin so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie, meinen Kindern und meiner Frau, zu verbringen. Ich möchte auch gern irgendwann mal eine Zeit lang in meiner Heimat USA sein, möchte dort leben. Und beruflich: So lange in der Fußballbranche zu arbeiten wie möglich. Die Funktion wird sich vielleicht ändern, aber im Moment bin ich sehr gerne im Trainerjob und sehr glücklich darüber.

Du als nun alter, weiser Mann: Was prophezeist Du Hannover 96 für den Rest der Saison?

Cherundolo: Mit 20 Jahren Profierfahrung - 15 als Spieler und fünf als Trainer - weiß ich, dass es unmöglich ist, ein Ergebnis vorherzusagen. Aber was man immer in der Hand hat, ist die eigene Leistung. Ich traue dieser Mannschaft selbstbewusste und leidenschaftliche Spiele und zwölf intensive Leistungen zu. Und selbstverständlich wünsche ich mir als ehemaliger 96er und Fan, dass die Mannschaft in der Liga bleibt. Ich traue es ihr definitiv zu.
hec