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Richard Golz, der Tausendsassa

Richard Golz hat einst beim SC Freiburg gespielt und später in Hannover seine Karriere beendet. Seitdem hat er viel erlebt - und zwischenzeitlich sogar mal in Rumänien gearbeitet. Wie es dazu gekommen ist, verrät Golz in Teil 17 unserer Serie "Was macht eigentlich ...?".

Richard Golz beim 96-Training im August 2006.

Erstes Karriereende in Freiburg
Richard Golz hielt es keine zwei Monate im Büro aus. Beim SC Freiburg hatte er nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn einen Job in der Marketingabteilung erhalten, so wie es beide Seiten vorab vereinbart hatten. "Aber als es soweit war, habe ich schnell gemerkt: Hier werde ich nicht lange bleiben. Es passte einfach nicht." Weil sich Golz mit Trainer Volker Finke überworfen hatte, dem damals mächtigsten Mann im Verein. Und weil er noch nicht bereit war, seine Torwarthandschuhe beiseitezulegen. Nicht mal im Alter von 38 Jahren, "wo man ja durchaus hätte aufhören können".

Golz zog es noch immer auf den Fußballplatz. Und es zog ihn zurück in den Norden, nach Hamburg, wo er einst sein Abitur gemacht und seine Profikarriere begonnen hatte, und wo er nach seiner Zeit beim SC Freiburg zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern leben wollte. Und so kam ihm das Angebot von Hannover 96 im Sommer 2006 gerade recht. Die Roten waren auf der Suche nach einem neuen Ersatzmann für Robert Enke, weil sich Frank Juric, die eigentliche Nummer zwei, schwer am Knie verletzt hatte. Also machten sie Golz ein Angebot - und der erfahrene Bundesligatorwart (453 Erstligaspiele für den Hamburger SV und den SC Freiburg) sagte sofort zu.

Rücktritt vom Rücktritt
"Das passte perfekt", erinnert sich der heute 50-Jährige im Gespräch mit hannover96.de, wenige Tage vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs in der Fußball-Bundesliga (Samstag, 15.30 Uhr, HDI Arena). "Ich hatte noch einmal die Möglichkeit, aktiv zu sein - und konnte gleichzeit nah bei meiner Familie in Hamburg sein." Golz unterschrieb zunächst für ein Jahr und verlängerte im Sommer 2007 um ein weiteres. "Ich habe mich bei 96 wirklich sehr, sehr wohlgefühlt", sagt Golz - und das, obwohl er in seiner gesamten Zeit bei den Roten kein einziges Mal für die Profis zum Einsatz kam. "Zum Glück", sagt Golz, "haben mich die Jungs in der U23 ein paar Mal gebraucht." Sonst hätte er sich vielleicht doch ein bisschen komisch gefühlt.

Die Reserve der Roten sollte sich in der Saison 2007/2008 unbedingt für die neue Regionalliga qualifizieren und musste dafür unter die ersten fünf in der Oberliga Nord kommen. Golz sollte der jungen Mannschaft mit all seiner Routine helfen - und rückte gegen Ende der Saison, als 96 die Top fünf zu verpassen drohte, zwischen die Pfosten. "Das war zum Ende meiner Karriere noch mal eine richtige Herausforderung", sagt Golz. Mit dem gebürtigen Berliner im Tor blieb die U23 viermal hintereinander ungeschlagen, im fünften Spiel verletzte sich der Schlussmann schwer. "Aber die Jungs haben es ja dann auch ohne mich geschafft." Und Golz, inzwischen 40 Jahre alt, hörte endgültig mit dem Fußballspielen auf. Der Bundesliga aber blieb er erhalten.

Torwarttrainer in Hamburg und Berlin
Golz wechselte zum Hamburger SV und übernahm dort die Leitung der Torwartausbildung im Nachwuchsleistungszentrum. Fünf Jahre machte er diesen Job, arbeitete parallel als Co-Trainer der U23. Dann lockte das nächste Abenteuer. Hertha BSC bot Golz den Posten des Torwartrainers bei den Profis an. "Ein sehr spannendes Angebot", sagt Golz. So spannend, dass er es nicht ablehnen konnte. Golz hatte in der Zwischenzeit aber auch einen Masterabschluss in Sport- und Eventmanagement gemacht, und so stand er im Sommer 2015, als sein Vertrag bei Hertha BSC nicht verlängert worden war, vor einer Grundsatzfrage: Was will ich machen?

Ziemlich viel, lautete die Antwort.

Golz stürzte sich als Freiberufler in zahlreiche Projekte, unterstützte zum Beispiel das Start-up-Unternehmen Kick ID, das Amateurfußballer mit professionellen Datenanalysen hilft, die eigenen Trainingsmöglichkeiten zu verbessern. Golz begann zudem, für die Plattform Football Business China zu arbeiten, die unter anderem Trainer und Funktionäre nach China vermittelt, wo sich der Fußball noch in der Entwicklungsphase befindet. Und auch ins Fernsehen hat es Golz bereits geschafft. In der Saison 2015/2016 ist er als Torwartexperte für den Bezahlsender Sky tätig gewesen, hat Beiträge gemacht, das Torwartspiel analysiert und bei Live-Übertragungen erklärt, ob ein Schuss denn nun haltbar gewesen ist oder nicht.

Mit Daum in Rumänien
Die wohl aufregendste Aufgabe, sagt Golz, sollte aber erst noch folgen. Im Sommer 2016, wenige Wochen nach der Europameisterschaft in Frankreich, erhielt Golz einen Anruf von Christoph Daum. "Wir hatten bis dahin vielleicht zwei, drei Sätze am Rande eines Bundesligaspiels miteinander ausgetauscht." Und nun plauderte dieser Christoph Daum plötzlich ohne Punkt und Komma. Daum hatte kurz zuvor einen Vertrag als Nationaltrainer von Rumänien unterzeichnet, und nun war er auf der Suche nach einem geeigneten Torwartrainer für sein Team. "Er hatte sich wohl beim Deutschen Fußball-Bund und in der Szene nach Kandidaten erkundigt", sagt Golz, "und so ist er auf mich gekommen. Er hat dann mit viel Engagement berichtet und ich habe sofort gemerkt: Er brennt für diese Aufgabe. Also habe ich zugesagt."

Zwei Jahre lang flog Golz regelmäßig zwischen Hamburg und Bukarest hin und her, betreute die rumänischen Nationaltorhüter. "Das hat richtig Spaß gemacht", sagt er, "das waren gute Jungs. Und alles war ein bisschen bodenständiger als in der Bundesliga." Am Ende aber verpasste Rumänien die erhoffte Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Daum und sein Team wurden freigestellt.

Personalberater in Frankfurt
Golz aber fand schnell eine neue Aufgabe. Er ist nun als Personalberater tätig, leitet den Bereich Sport bei der Hager Unternehmensberatung in Frankfurt. Golz hilft Sportvereinen und -verbänden dabei, Führungspositionen zu besetzen. "Es ist ein toller Job, bei dem ich jeden Tag noch etwas lernen kann", sagt Richard Golz. Und wer ihn ein bisschen kennt, der weiß: Es wird sicher nicht der letzte Job gewesen sein, den der Tausendsassa übernommen hat.
hop