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Cedric Teuchert: "Olympia wäre ein Riesentraum"

Bei 96-Stürmer Cedric Teuchert ist der Knoten definitiv geplatzt. In den letzten drei Spielen hat der 23-Jährige jeweils einmal getroffen. Wir haben "Cedi" in Isernhagen besucht und mit ihm über seine aktuelle Form, Last-Minute-Gegentore und Olympia 2020 gesprochen.

Cedi, schön, dass du Dir gemeinsam mit Marley die Zeit genommen hast. Wir sind heute zu Dir nach Isernhagen gekommen. Ist das hier die Gegend, in der Ihr gerne unterwegs seid?  

Cedric Teuchert (23): Ja, hier sind wir täglich vormittags unterwegs, am Nachmittag dann meistens am Seehaus, da ist eine riesige Hundewiese. Das ist hier unser Zuhause.  

Du sagst "Zuhause": Fühlt Ihr Euch wohl hier in Hannover, habt Ihr Euch gut eingelebt?  

Cedi: Wir haben uns extrem gut eingelebt. Seit Tag eins fühlen wir uns eigentlich wie zu Hause. Wir haben ein richtig schönes Zuhause, ideal auch für den Hund, da viele Waldwege und Hundewiesen in der Nähe sind. Ich glaube, es ist extrem wichtig, auch neben dem Platz abzuschalten, und deswegen fühlen wir uns hier pudelwohl.  

Ist Marley Dein Ausgleich zum täglichen Fußball-Business?  

Cedi: Auf jeden Fall! Meine Frau und ich können gut abschalten. Es dreht sich ja trotzdem alles um Fußball, aber wenn ich dann zu Hause angekommen bin, dann will ich nichts davon hören, dann gibt es wichtigere Dinge.        

Du kamst im Sommer von Schalke 04 zu unseren Roten und hast gefühlt erstmal ein wenig gebraucht, um bei 96 so richtig anzukommen. Wie wichtig ist es manchmal einfach, dass man spielt? Wie wichtig ist Spielpraxis, um in den richtigen Rhythmus zu finden?  

Cedi: Ja das ist extrem wichtig. Ich habe in der Zeit auf Schalke leider nicht so viel gespielt. Ich habe fast eineinhalb Jahre nur unregelmäßig gespielt - oder gar nicht. Dann sind auch noch Verletzungen dazugekommen, deswegen war es wichtig für mich zu spielen. Und als dann die Anfrage von Hannover kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich wurde dann trotzdem wieder durch ein paar Kleinigkeiten ausgebremst, aber jetzt fühle ich mich wohl und topfit. Wenn ich im Spielrhythmus drin bin und Selbstvertrauen habe, dann kann ich meine Stärken zeigen, und ich glaube, aktuell läuft es ganz gut.

Definitiv! In den letzten drei Spielen hast Du jeweils einmal getroffen. Wie ist der Knoten geplatzt?  

Cedi: Bei mir ist es häufig einfach so, wenn ich ein Tor schieße und das Selbstvertrauen habe, dann fällt mir vieles leichter, auch im Training. Aber ich glaube, dass wir mit der ganzen Mannschaft den kleinen Knoten lösen konnten. Ich finde, dass wir viel konstanter und disziplinierter spielen, und ich glaube, das hat man in den letzten Wochen gesehen. Am Sonntag wartet das nächste schwere Spiel, aber mit uns ist definitiv zu rechnen.  

Abgesehen von Deinen drei Toren in den letzten drei Spielen, haben wir die letzten drei Begegnungen auch nicht verloren. Dennoch: Wie sehr schmerzt der späte Ausgleich gegen den HSV auch heute vier Tage nach dem Spiel noch?  

Cedi: Na klar haben wir die letzten drei Spiele nicht verloren, aber wir haben in den letzten beiden Heimspielen den Ausgleich in der letzten Sekunde bekommen. Da hätten wir noch ein paar Punkte mehr holen können. Natürlich schmerzt das noch, aber ich glaube, dass keiner damit gerechnet hat, dass wir gegen Hamburg einen Punkt holen. Ich glaube, dass die drei Punkte trotzdem verdient gewesen wären. Wir sind froh über jeden Punkt, denn wir brauchen jeden Punkt, weil wir nicht so gut dastehen, aber ich glaube, dass wir uns mit der Mannschaft da gut rausgekämpft haben, und jetzt geht es hoffentlich vorwärts.    

Du hast es gerade schon angesprochen - auch beim Spiel gegen Wehen Wiesbaden haben wir in der aller letzten Minute den Ausgleich kassiert. Wie können wir das möglichst schnell abstellen?  

Cedi: Gute Frage. Ich denke, indem wir viel miteinander sprechen, sowohl auf als auch neben dem Platz, viel trainieren, unsere Fehler minimieren beziehungsweise ganz abstellen. Und einfach da weitermachen, wo wir in den letzten Wochen defensiv auch aufgehört haben, indem wir uns in jeden Zweikampf reinhauen und jeder für den anderen kämpft. Ich glaube, dann ist es ganz schwer, uns zu besiegen, und dann können wir auch gegen Hamburg, wie man gesehen hat, oder auch in Bielefeld, die in den letzten Wochen sehr gut drauf sind, Punkte holen.  

Noch einmal zurück zu Dir. Deine guten Leistungen sind nicht nur im Hannover Umfeld aufgefallen, sondern diese Woche gab es auch die Gerüchte, dass U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz Dich auf seiner Liste für Olympia 2020 haben soll. Wie wäre das für Dich?

Cedi: Das wäre ein Riesentraum. Stefan Kuntz hat mich vor Weihnachten schon angerufen und mir mitgeteilt, dass ich auf seiner Liste stehe. Das hat mich natürlich riesig gefreut und macht mich auch extrem stolz. Ich versuche, das jetzt einfach mit meinen Leistungen im Verein zurückzuzahlen, sodass der Trainer nicht an mir vorbeikommt, und dann ist es für jeden Sportler ein Riesentraum, bei Olympia für Deutschland anzutreten.

Bevor es dann mit Mats Hummels und Thomas Müller zu Olympia geht, geht es am Sonntag erst einmal zum Tabellenführer auf die Alm. Arminia Bielefeld wartet auf uns. Irgendwie scheinen uns die spielstärkeren Mannschaften ja zu liegen. Wie gehen wir in das Spiel am Sonntag?

Cedi: Die spielstärkeren Mannschaften liegen uns, weil wir natürlich auch Fußball spielen. Ich glaube, wir haben lange gebraucht, um zu verstehen, dass wir leider nicht mehr in der 1. Liga sind, aber wir müssen akzeptieren, dass wir in der 2. Liga spielen und dass wir kämpfen müssen um jeden Zentimeter. Viele Mannschaften in der Liga sind nicht darauf aus, Fußball zu spielen, und ich glaube, deswegen liegen uns solche Mannschaften, die Fußball spielen wollen, besser. Von daher erwarte ich am Sonntag auch wieder ein richtig geiles Fußballspiel. Das Stadion ist mit Sicherheit voll, und jeder kann sich auf diese Partie freuen.  

Wenn wir hier gleich durch sind, geht es für Dich zum Training. Von außen sieht das sehr hart aus, was Ihr da macht. So fühlt es sich wahrscheinlich auch an, oder?    

Cedi: Ja, ich glaube am Ende ist immer jeder froh, wenn der Trainer uns erlöst von den Läufen und dem intensiven Training, aber es macht sich bezahlt auf dem Platz. Wir sind jetzt viel fitter als in der Hinrunde und können 90 Minuten malochen. Natürlich macht es nicht den Riesenspaß, über den Schweinehund hinauszugehen, aber jeder Einzelne macht es für sich. Dass wir dann einen kurzen Hass auf den Trainer haben, ist - denke ich - auch verständlich, aber danach ist ja auch alles wieder gut.  

Damit sind wir am Ende angekommen. Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt!