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"Exil-Fan" Sebastian in Kambodscha: Das "schöne Chaos" & 96-Spiele um Mitternacht

Wir haben bei Instagram gefragt: Von wo aus drückt Ihr unserer Mannschaft die Daumen? Das Feedback war – im wahrsten Sinne des Wortes – grenzenlos, und wir nehmen es zum Anlass, Euch die Bühne zu überlassen und in einer neuen Rubrik "Fans im Exil" 96-Anhängerinnen und -Anhänger vorzustellen, die die Roten von überall auf der Welt unterstützen.

Sebastian spielt beim Bayon Wanderers FC in Phnom Penh (Fotos: Sebastian Heukamp privat)

Zum Saisonfinale gegen den FC Ingolstadt 04 (3:2) vor fast zwei Wochen waren 20.300 Zuschauerinnen und Zuschauer in der HDI Arena zu Gast. Zur gleichen Zeit saß Sebastian Heukamp in seiner Wahlheimat Kambodscha in einer Sportsbar und drückte 96 von dort aus die Daumen.

96-Spiele in der Nacht schauen
Der heute 30-Jährige ist in Hannover geboren und in der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen. Seit seiner Jugend verfolgt Sebastian aktiv die Spiele unserer Roten und hat dabei viele Höhen und Tiefen miterlebt. "Es gab Momente, in denen ich fast den Bildschirm meines Laptops zerstört habe oder in denen ich jubelnd durch unser Wohnzimmer gerannt bin - und meine Verlobte absolut keine Ahnung hatte, was hier los ist", schildert er. Einer dieser emotionalen Momente war für den Niedersachsen das Erreichen des Viertelfinals im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. "Leider konnte ich wegen der Zeitverschiebung nur die erste Halbzeit schauen. Ansonsten hätte ich es am nächsten Morgen nicht aus dem Bett geschafft", schmunzelt Sebastian. Kambodscha liegt zeitlich fünf Stunden vor Deutschland. Damit lag der Anpfiff der Partie erst kurz vor Mitternacht.

Ausgewandert nach Kambodscha
"Nach dem Abschluss meiner Ausbildung habe ich ein Jobangebot in Kambodscha bekommen, und da ich schon immer im Ausland arbeiten wollte, habe ich natürlich sofort zugesagt", erzählt Sebastian voller Stolz. Seit Frühjahr 2016 lebt er in der Hauptstadt Phnom Penh und arbeitet dort als Business Intelligence Analyst in einer Sourcing Firma für Textilien. "Um ehrlich zu sein ist mein Arbeitstag nicht sehr unterschiedlich von einem Büroarbeitstag in Deutschland. Der große Unterschied liegt darin, wie ich zur Arbeit komme und nach Hause fahre: mit den klassischen Tuk Tuks", schildert er.

Amateursport in Kambodscha
Die Spiele von 96 verfolgt der Exil-Fan entweder in einer Sportsbar oder in seiner klimatisierten Wohnung vor dem Laptop. Doch Sebastians Fußballleidenschaft geht übers Daumendrücken weit hinaus. Aktuell kickt er beim Bayon Wanderers FC. "Wir spielen in keiner offiziellen Liga, sowas gibt es hier im Amateurbereich nicht wirklich, wie man es in Deutschland kennt. Doch vor zwei Jahren wurde eine Liga von einer Immobilienfirma gegründet mit ungefähr neun Mannschaften. Da wird dann nur um ein kleines Preisgeld gespielt", berichtet er.

Ein "schönes Chaos" in der Hauptstadt
Doch nicht nur die Spiele unserer Roten bringen Sebastian bisweilen trotz kühler Wohnung zum Schwitzen - auch das tropisch-feuchtwarme Klima mit täglichen Temperaturen von 32 Grad Celsius trägt seinen Teil dazu bei. Auch die Hauptstadt Phnom Penh unterscheidet sich von Deutschland. "In der Stadt herrscht ein schönes Chaos. Roller fahren wild durch die Gegend, es gibt Essenstände an allen Ecken, Menschen trinken zusammen Kaffee und spielen Karten. Das Chaos in der Stadt ist eine Erfahrung, die jeder gemacht haben muss. Ich könnte jetzt noch Stunden darüber reden", lacht er.

Gerne würde Sebastian mal wieder ein Spiel unserer Roten in der HDI Arena verfolgen. Das gestaltet sich im Moment aufgrund der Entfernung zu Deutschland jedoch etwas schwierig. Insgesamt sind es 16 Flugstunden bis nach Hannover. "Das letzte Spiel hab ich im Jahr 2019 gesehen. Damals noch in der Bundesliga, auswärts in Düsseldorf. Leider haben wir 1:2 verloren", erinnert er sich. Zurück nach Deutschland möchte der Niedersachse trotzdem nicht. "Ganz besonders sind in diesem wundervollen Land die Menschen - egal, wo du hinschaust, dir kommt ein Lächeln entgegen. Zudem gibt mir 96 in Kambodscha ein Gefühl von Heimat".
tm

Wenn auch Ihr selbst 96erin oder 96er im Exil seid oder jemanden kennt, der den Roten fern des Maschsees die Daumen drückt, meldet Euch gern bei uns unter redaktion@hannover96.de. Wir freuen uns über weitere spannende und besondere 96-Geschichten.