Nachwuchs

U17-Coach im Gespräch: Steven Turek über seine Motivation und das "Gewinnen-Wollen"

32 Jahre alt, geboren in Peine, fußballbegeistert: Steven Turek ist seit Anfang des Jahres unser U17-Coach, insgesamt schon seit Juli 2016 Jugendtrainer an der 96-Akademie. Lest hier aus dem großen Gespräch unter anderem über Tureks Motivation hinter seinem Trainer-Dasein, das "Gewinnen-wollen"-Lernen und Gründe, warum er die Kabine nicht oft von innen sieht.

U17-Coach Steven Turek (r.) auf der ehemaligen Haupttribüne des Eilenriedestadions im Interview. (Foto: 96/Redaktion)

Fußballverrückter Coach
"Ich spiele Fußball, seitdem ich denken kann. Ich war von morgens bis abends auf dem Platz, und irgendwann musst du dir ja überlegen: 'Was machst du in deinem Leben?'", erzählt U17-Coach Steven Turek auf der ehemaligen Haupttribüne im Eilenriedestadion. Er hat mit 20 Jahren alles auf eine Karte gesetzt und wurde Fußballtrainer. Warum? "Mich hat immer fasziniert, wie Höchstleistungen zustande kommen, auch abseits des Fußballs. Berühmte Pianisten oder Herzchirurgen bringen auch Höchstleistungen – sowas hat mich schon immer begeistert. Dazu kommt, dass ich ein kleiner Tüftler bin und Bock habe, mich mit Dingen zu beschäftigen und sie zu optimieren." Tureks Tätigkeit bei 96 hilt ihm, das zu verwirklichen. "Nach dem Studium war das eine super Chance für mich, hier an der Akademie anzufangen. Seitdem hatte ich immer wieder Leute hier im Klub, die mich aktiv gefördert haben", blickt er zurück. "Mitarbeiter sind zu Freunden geworden - dafür bin ich allen handelnden Personen sehr dankbar. Und so ist es mittlerweile auch eine Herzensangelegenheit, hier zu trainieren." 

"Das Gewinnen-Wollen lernen"
Mit der roten B-Jugend hat Turek einen guten Saisonstart hingelegt: Nach sechs Spielen stehen er und seine Jungs auf dem sechsten Tabellenplatz der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost. Allerdings findet der Coach, dass "es wichtig ist, unsere Arbeit unabhängig vom Ligabetrieb und den Ergebnissen zu betrachten. Unser Job ist es, dass möglichst viele von den Jungs die Chance haben, ihren Traum zu verwirklichen. In erster Linie geht es darum, das passende Handwerkszeug zu finden, um das Beste aus ihnen herauszuholen." Das funktioniere eben nicht nur in den Spielen, sondern vor allem im Training unter der Woche. Dort beobachte Turek, dass "meine Gruppe immer gewinnen will – jedes Eins-gegen-Eins und jedes Sprintduell. Das ist es, was dich besser macht, und das ist auch die Haltung, mit der wir am Wochenende in die Spiele gehen wollen."

Die bisherigen Ergebnisse unserer U17 im Überblick:

  • 1. Spieltag: U17 – Erzgebirge Aue 6:1
  • 2. Spieltag: Carl Zeiss Jena – U17 1:3
  • 3. Spieltag: U17 – 1. FC Magdeburg 2:1
  • 4. Spieltag: Niendorfer TSV – U17 2:2
  • 5. Spieltag: U17 – VfL Wolfsburg 0:1
  • 6. Spieltag: RB Leipzig – U17 4:1

Bei den Spielen in der B-Junioren Bundesliga kommen die verschiedensten Gegner auf unsere jungen Roten zu, findet Turek: "Die Liga bietet unterschiedliche Dinge. Wir haben Spiele, in denen wir tiefer gegen lange Bälle verteidigen müssen. Wir haben aber genauso Spiele gegen Mannschaften, die einen offensiven Ansatz wählen – da können wir mit höherem Pressing agieren. Andererseits gibt es Gegner, die sich hinten reinstellen, auch dagegen müssen wir unsere Lösungen finden." Dabei orientiere sich der 32-jährige Trainer meistens nicht am Gegner, viel wichtiger sei die eigene Haltung und Herangehensweise in jedem Spiel: "Du musst ja auch das Gewinnen-wollen lernen. Wichtig ist, dass sich die Jungs denken: 'Wir können heute, wenn wir an unsere Leistungsgrenze gehen, erfolgreich sein' – diese Haltung ist wichtig."

Auswechslung: Richard Rühling kommt für Louis Ahenkora ins Spiel.
Alexander Vogel entflieht einem Spieler vom Niendorfer TSV. (Fotos: Brüser)

Kader, in dem sich jeder verbessern will
Blickt er auf seinen eigenen Kader, gibt es für Turek wichtigere Merkmale als doppelt besetzte Positionen oder einzelne Star-Spieler. Ihm sei es viel wichtiger, eine Gruppe zu trainieren, "die sich gemeinsam verbessern will. Auf dem Platz sollen sich die Jungs gegenseitig fordern – nicht schonen. Auch vom Denken in typischen Positionen und Grundordnungen bin ich ein Stück weit abgewichen, denn ein guter Spieler hat die Bereitschaft, viele Positionen zu bekleiden. Du musst letztlich überall gut verteidigen und dich im Angriffsspiel einschalten. Wie die Grundordnung aussieht, bestimmt dann das Talent des Spielers."

Der U17-Kader im Überblick:

  • Tor: Julien Korn, Tim Gebauer
  • Abwehr: Erik Mädler, Linus de Fockert, Amed Ormangören, Emil Roselieb, Nils Hoffmann, Luis Karaqi, Fabian Pagel
  • Mittelfeld: Ammon Moser, Anes Kordi, Bjarne Pfundheller, Richard Rühling, Matti Tjaden, Lukas Dönecke
  • Angriff: Fynn Banse, Ruwen Albrecht, Alexander Vogel, Louis Ahenkora, Jean Paul Ndiaye, Yannick Michaelis

Mit schon sieben Saisontoren ist unser deutscher U17-Nationalstürmer Jean-Paul Ndiaye aktuell bester Torschütze der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost. Er war es auch, der am dritten Spieltag gegen Magdeburg in sprichwörtlich letzter Sekunde den entscheidenden Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer versenkte. Für 96-Fans lohne es sich laut Turek auch wegen solch spannender Partien, die U17-Spiele im Eilenriedestadion anzuschauen - der Eintritt ist übrigens kostenlos. "Wir haben gute Jungs, die riesige Lust haben, sich zu entwickeln. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie sie sich reinhauen – wenn man die gute Moral und innere Haltung sieht. Dafür lohnt es sich, samstagmorgens auch mal die U17 zu gucken", so Turek. 

"Die Kabine gehört den Jungs"
"Bei Anekdoten bin ich grundsätzlich raus", lacht Turek, als er nach witzigen Geschichten aus seiner Mannschaft gefragt wird. Allerdings liegt das an einer Grundregel des 32-Jährigen: "Die Kabine gehört den Jungs, die können da ihre Faxen machen – ich habe dort nichts zu suchen. Was ich auch sympathisch finde, ist, dass die Musik bei uns einfach mal aus sein kann - da legen wir viel Wert drauf. Die Jungs sollen sich miteinander unterhalten, auseinandersetzen und sich besser kennenlernen. Bei uns kann jeder mit jedem – auch ohne Musik", erzählt Turek über seine eingeschweißte Mannschaft.

Nachdem seine Elf zuletzt zwei Niederlagen trotz starker Leistungen einstecken musste, steht am kommenden Sonntag (2. Oktober, 12 Uhr) das Nordduell gegen den SV Werder Bremen im Eilenriedestadion an. Dann werden das "Gewinnen-wollen" und die innere Einstellung wieder wichtig sein, um die nächsten drei Punkte in dieser Spielzeit einzufahren. Wie gut, dass unsere U17 einen so akribischen Trainer an der Seitenlinie stehen hat, der diese Aspekte jede Woche ins Training einfließen lässt.
lbe