96 verliert ein Idol

Torwartlegende Podlasly stirbt mit 71 an Krebs

96 ist um ein Idol ärmer. Torwart-Legende Horst Podlasly starb mit 71 Jahren an Krebs.

VON CHRISTOPH DANNOWSKI
RESSE. Als Hans Siemensmeyer vor ein paar Tagen bei seinem alten Freund am Bett stand, „spürte ich, dass es ein Abschiedsbesuch war. Das Bett stand im Wohnzimmer, Horst war ganz schwach, die Krankheit hatte ihn gezeichnet.“
Am Donnerstag um 20 Uhr ging im Kreiskrankenhaus Großburgwedel das Leben einer Torwartlegende zu Ende. Nicht still und friedlich, „es war dramatisch“, sagt Podlaslys Tochter Ute Holz (45), „er hat alles mitbekommen, sich zigmal von meiner Mutter Luise, meinem Bruder Ralf und mir verabschiedet und ganz zum Schluss gesagt: ‚Ich pass jetzt da oben auf die Nina auf.’“ Vor zwei Jahren war Utes Tochter Nina mit nur zwölf Jahren einem Hirntumor erlegen, „das hat ihm das Herz gebrochen. Er hat überall Fotos aufgehängt, ständig von ihr gesprochen.“ Ute Holz ist überzeugt: „Der Tod seiner einzigen Enkeltochter hat Vater krank gemacht.“

Das Leiden begann im Frühjahr, Podlasly fühlte sich ständig schlapp und magerte stark ab, die Ärzte diagnostizierten das seltene Gallengang-Karzinom. „Der Tumor hat stark gestreut, er hatte keine Chance“, sagt seine Tochter, die ihren Vater „verdammt tapfer“ fand.

„Horst hat bis zuletzt auf Heilung gehofft“, erzählt der langjährige 96-Betreuer Rolf Roeschlau (83), den die Todesnachricht gestern „vom Hocker“ haute. „Hannover verliert einen der besten 96-Fußballer aller Zeiten“, würdigte Klubchef Martin Kind den „Polly“ genannten Torwart. Beim Duisburg-Spiel gibt es zu Podlaslys Ehren eine Gedenkminute. Die öffentliche Trauerfeier ist am Donnerstag, 4. Oktober (13.30 Uhr), in der Friedhofskapelle Bissendorf.

„Einer der Besten in Deutschland“

VON CHRISTOPH DANNOWSKI
HANNOVER. Wenn es um Horst Podlasly geht, kommen in Hannover viele in Schwärmen. Auch Sportjournalist Hans-Joachim Zwingmann (68): „In den 60er Jahren war unser Polly einer der besten Torhüter Deutschlands. Und für die Leute hier eine Ikone.“

1964, beim entscheidenden Spiel in Kassel, habe er 96 den Aufstieg gerettet, so Zwingmann: „Seine Paraden waren teilweise unglaublich.“ Christian Breuer (68), von 1966 bis 69 Libero bei 96 und Podlaslys Zimmergenosse, erinnert sich an „einen Spaßvogel fast ohne Schwächen. Wenn die Abwehr mal gepennt hat – auf Polly war immer Verlass.“ Schon Ende der 50er Jahre hatte der gebürtige Oberhausener Hans Siemensmeyer den gebürtigen Duisburger Podlasly kennengelernt: „Erst haben wir in der Oberliga gegeneinander, dann bei 96 vier Jahre miteinander gespielt“, sagt Siemensmeyer, der am Telefon mit den Tränen kämpfte: „Der Polly war nicht nur ein Riesen-Torwart, der war auch ein Super-Mensch.“ Von Hamborn 07 holte Helmut „Fiffi“ Kronsbein Podlasly 1963 an die Leine. In acht Jahren brachte der es auf 203 Einsätze für die Roten – 187 in der Bundesliga.

„Leider habe ich ihn nie spielen sehen“, sagt Jörg Sievers (42), ein anderes 96-Torwart-Idol, „aber seine Leistungen müssen fantastisch gewesen sein. Noch heute schwärmen ja alle.“ Auf dem „Niveau von Robert Enke“ habe er gespielt, sagt der frühere Betreuer Rolf Roeschlau über den Mann, der 2005 in die „Jahrhundertelf des Nordens“ gewählt wurde. Zusammen mit Siemensmeyer, der „um einen ganz Großen“ trauert.