NIEMALSALLEIN

"Ich will wieder Spaß haben"

Elias Saad ist keiner, der den klassischen Weg gegangen ist. Kein Nachwuchsleistungszentrum, kein früher Durchbruch – dafür viel Geduld und die Überzeugung, dass sich Leistung durch harte Arbeit entwickelt. In der Woche nach seinem Debüt in Kaiserslautern sprach der 26-Jährige Offensivspieler über seine Teilnahme am Afrika-Cup, seine Ansprüche für die Rückrunde und warum der Wechsel an den Maschsee für ihn ein bewusster Schritt war.

/ Profis
Elias Saad im Dribbling.
Elias Saad feierte am vergangenen Sonntag sein Debüt im 96-Dress. (Foto: 96/Redaktion)

Afrika‑Cup: Stolz statt Chaos
In den vergangenen Wochen stand Saad mit der tunesischen Nationalmannschaft beim Afrika‑Cup auf dem Platz – seinem ersten großen Turnier auf A‑Nationalmannschaftsebene. Die vielfach kolportierten chaotischen Zustände bestätigten sich aus seiner Sicht nicht. Seine Erfahrung sei gewesen, "dass alles sehr professionell abgelaufen ist". So extrem wie beim späteren Finale habe er es im Turnierverlauf nicht erlebt: "Es ist schade, weil es ein großes Turnier ist".

Sportlich sei der Anspruch klar gewesen. Man habe "schon das Ziel gehabt, mindestens ins Viertelfinale zu kommen", erklärte Saad. Das Aus im Achtelfinale gegen Mali nach Elfmeterschießen sei entsprechend sehr hart gewesen – persönlich überwog dennoch der Stolz: "Es war mein erstes großes Turnier mit Tunesien und ein sehr stolzer Moment für mich."

Zudem habe ihn das Niveau überrascht. Gerade die vermeintlich kleineren Nationen seien physisch sehr stark gewesen, während Teams wie Nigeria mit zahlreichen Spielern aus der Premier League aufliefen. Für Saad steht fest: Afrikanische Nationalmannschaften "werden auch bei der WM eine gute Rolle spielen".

WM‑Traum und bewusste Entscheidung für Hannover 96
Die Weltmeisterschaft ist für Saad ein starker Antrieb. "Die WM ist mein großer Traum", stellte er klar. Dieser Gedanke spielte auch bei seiner Entscheidung für Hannover 96 eine zentrale Rolle. Nach einem Trainerwechsel in Augsburg sei er "zuletzt nicht mehr so zum Zug gekommen", weshalb er geschaut habe, "wo es für mich besser laufen kann".

Hannover habe ihm in den Gesprächen ein sehr gutes Gefühl gegeben. Ausschlaggebend seien sowohl der sportliche Ansatz als auch der Cheftrainer gewesen: Er möge, wie Cheftrainer Christian Titz Fußball spielen lässt. Nach Monaten ohne Rhythmus wolle er vor allem eines: "Ich will wieder Spaß haben – und habe das Gefühl, dass das hier bei 96 für mich gerade am besten möglich ist."

Ein nicht unwesentlicher Faktor ist auch die Nähe zu seiner Heimat. "Hannover liegt nicht so weit von Hamburg entfernt", kurze Wege zu Familie und Freunden täten ihm gut.

Debüt mit Lerneffekt
Sein erstes Spiel im 96‑Trikot führte Saad direkt auf den Betzenberg nach Kaiserslautern. Nach der Einwechslung zur Halbzeit hatte er zunächst das Gefühl, gut drin zu sein. Mit zunehmender Spieldauer merkte er jedoch, "dass es schwieriger als gedacht ist", wenn die Spielpraxis fehlt.

"Für den Anfang wollte ich vielleicht ein bisschen zu viel", ordnete der Neuzugang rückblickend selbstkritisch ein. Der Wunsch, es besonders gut zu machen und "unbedingt direkt ein Tor zu schießen", habe seine Aktionen beeinflusst. "Daraus lerne ich", so der 26-jährige.

Die erneute Auswechslung aus taktischen Gründen nach der Gelb‑Roten Karte gegen Hannover hat er mittlerweile verarbeitet. Enttäuscht zu sein ist in dem Moment normal, "das ist doch jeder Sportler". Entscheidend sei aber gewesen, dass der Trainer das Gespräch gesucht habe: "Er hat mir alles erklärt – alles ist gut."

Rhythmus, Vertrauen und die eigene Art
Für die kommenden Wochen sieht Saad einen klaren Ansatzpunkt: Rhythmus. "Ich brauche einfach wieder den Rhythmus, besonders im Training", erklärte er. Selbstvertrauen entstehe über Wiederholungen – und genau daran wolle er arbeiten. Sein Anspruch sei es, "der Mannschaft mit meiner Art zu helfen, damit wir Spiele gewinnen".

Dieser Anspruch ist das Resultat seines ungewöhnlichen Weges. In der Jugend habe es nicht gereicht, um bei St. Pauli oder dem HSV ins NLZ zu kommen. Als er mit 18, 19 Jahren in der Landesliga spielte, sei der Weg in den Profifußball schwieriger gewesen – aber rückblickend ist er sich sicher: "Dieser Weg war genau der richtige für mich".

Dass Saad immer wieder über Einsatz und harte Arbeit spricht, ist kein Zufall. Sein großes Vorbild war Franck Ribéry. Nicht nur die Position habe gepasst – es sei vor allem gewesen, "wie er sein Herz auf dem Platz gelassen hat". So habe er selbst immer spielen wollen.
lk

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