Källman lässt keinen Zweifel daran, dass das Training auf Kunstrasen unter Hallendächern jedoch eine ganz andere Art von Fußball erzeugt. "Indoor-Fußball ist seltsam", sagt er, "aber besser als nichts." Oder noch besser: Raus auf den grünen Naturrasen, bei vergleichweise angenehmen Null Grad, die das Thermometer derzeit in Hannover anzeigt.
Tore schießen als Selbstverständnis
Die Nummer Neun der Roten ist niemand, der um seine Aussagen ringt. Seine persönliche Situation sieht er glasklar - und kann diese präzise ausformulieren. Wenn er seine bisher erzielten elf Saisontore beschreibt, tut er das beinahe mechanisch: "Ich versuche, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein." Wie bei seinem ersten Treffer der Rückrunde, als der Elf-Tore-Stürmer eine punktgenaue Hereingabe von Elias Saad zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung verwertete. Oder bei seinem Derby-Doppelpack gegen Eintracht Braunschweig, der ihm endgültig einen Platz in den Herzen der 96-Fans sicherte und für einen nachhaltigen Ohrwurm bei vielen Anhängern der Roten sorgte ("Walking in a Källman Wonderland...").
"Zur richtigen Zeit am richtigen Ort" zu sein, ist kein Understatement der gezeigten Leistungen, sondern das pure Selbstverständnis des Finnen. Trotz der besten Torquote eines 96-Spielers nach 20 gespielten Spielen seit Jan Simak, bleibt der 27-Jährige selbstkritisch: "Ich weiß, dass ich mehr Tor hätte schießen können", gibt er preis, betont aber auch: "Gleichzeitig bin ich glücklich darüber, wie es bisher läuft." Ein konkretes Ziel, wieviele Tore er in dieser Saison schießen möchte, hat Källman nicht: "Ich gehe auf den Platz, versuche Tore zu schießen und dann sehen wir, wo es endet.“ Selbstverständnis eben.
Verantwortung - und dennoch kein Druck
Mit der Verletzung von Benedikt Pichler (strukturelle Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel) rückt der Finne nochmal mehr in den Fokus. Er selbst fühlt die Verantwortung, die daraus entsteht. Allerdings nicht "im Sinne von Druck". "Das ist mein Job", ordnet er nüchtern ein. Der Stürmer bleibt demütig und ist froh, dass er trifft. Denn ihm ist bewusst, dass es so "nicht immer in einer Karriere läuft."
Und sowieso: Die Nummer Neun Hannovers hat ein gesundes Konkurrenzdenken. Über das bisherige "Job-Sharing" mit Pichler, spricht der Finne sehr aufgeräumt. Die Aufteilung und die gegenseitige Entlastung bewertet er durchweg positiv: "Wir waren dadurch frischer". Ein nicht unwesentlicher Faktor in der intensiven Spielweise des Teams von Cheftrainer Christian Titz.
Veränderte Spielweise
In den vergangenen Wochen hat sich die Spielweise des Teams hier und da leicht verändert. Die Intensität ist unverändert hoch, doch die Spiele werden enger und sind weniger von großen Momenten getragen. Für Källman kein Grund unruhig zu werden. Die Ursachen liegen für den Sommer-Neuzugang auf der Hand: "Der Winter macht etwas mit jedem Spieler", sagt er – und meint damit nicht nur die Kälte.
Die Tabelle verdichtet sich, die Bedeutung einzelner Spiele steigt. Es ist nachvollziehbar, dass Fehler schwerer wiegen und Vorsprünge härter verteidigt werden müssen. Für ihn zählen die Siege der vergangenen beiden Spiele besonders. Spiele, die vielleicht nicht immer klar dominiert, aber über die Zeit gebracht wurden. Etwas, dass "in der Hinrunde vielleicht noch nicht immer so geklappt hat".
lk