Herr Mori, aktuell sind Sie zu Gast hier bei uns bei Hannover 96 und verfolgen das Training der Profimannschaft, aber auch der Akademieteams, aus nächster Nähe. Welche Eindrücke nehmen Sie aus Hannover mit – sportlich, aber auch strukturell?
Naoki Mori (48): "Oh, ich sammle wirklich viele verschiedene Eindrücke. Gerade auch in infrastruktureller Hinsicht: Das Akademiegelände, die Trainingsplätze, Kabinen, das Stadion – man kann schon sagen, die Infrastruktur ist auf einem hohen Level. Auf jeden Fall im Vergleich zu uns."
Wie meinen Sie das?
Mori: "So professionell haben wir es bei Mito noch nicht. Da schaue ich mir schon etwas ab. Aber auch von der täglichen Arbeit bei Hannover 96 kann man einiges mitnehmen…"
Worauf haben Sie da besonders ein Auge geworfen?
Mori: "Gerade die Philosophie, nach der 96 lebt, in Gemeinsamkeit die Dinge anzugehen, ist beeindruckend. Hier wird sich nicht nur um die Profimannschaft gekümmert, sondern auch großer Wert auf die Ausbildung von Spielern gelegt. Das finde ich sehr spannend."
Gibt es da spezielle Aspekte, die Sie als Inspiration mit nach Mito nehmen können?
Mori: "Dass alle Trainer, und generell das Akademiepersonal, zum Beispiel an einem großen Ziel arbeiten, die Spieler menschlich wie sportlich auf den Weg in den Profifußball zu begleiten und eventuell in die Profimannschaft zu bringen, ist in meinem Empfinden eine tolle Sache und eine Idee, wie ich sie auch bei Mito stärker in den Vordergrund rücken möchte. Bei 96 gibt es viele interessante Spieler in der Akademie, die alle einen Traum und viel Leidenschaft haben. Wie man das auch bei uns noch mehr nutzen kann, diese Erfahrungen will ich mitnehmen. Dafür ist gerade die Zeit bei uns."
Inwiefern das?
Mori: "Aktuell wird in Japan eine kleine Zwischensaison gespielt. Bisher verlief eine Saison im Rhythmus des Kalenderjahres, doch der japanische Fußball möchte sich immer mehr an Europa anpassen und da startet die Spielzeit nun mal im Sommer. Also wird zum allerersten Mal in Japan der Startschuss der neuen Saison im Juli erfolgen. Dieses Dreivierteljahr der Überbrückung nutzen wir intensiv, um Strukturen anzupassen und uns als Klub weiterzuentwickeln."
Sie sind frisch als Sportdirektor im Amt und haben zuvor als Trainer mit dem FC Mito HollyHock den Aufstieg in die J1 League geschafft. Wie beeinflusst diese Erfahrung als Cheftrainer heute Ihre Entscheidungen in der sportlichen Führung?
Mori: "Es ist nun natürlich eine andere Rolle, die ich innehabe. Ich muss aber sagen, dass es schon einige Eigenschaften gibt, die ich mitgenommen habe, und die ich versuche, in meine tägliche Arbeit einfließen zu lassen. Ich denke zum Beispiel, dass ich über die Zeit ein gutes Gespür entwickelt habe, welche Spieler zum Klub und der Philosophie passen. Das ist gerade bei der Kaderplanung und beim Werben um neue Akteure nicht unbedeutend."
Gerade die Philosophie haben Sie sicherlich auch mitgeprägt, oder? Immerhin sind Sie seit über 15 Jahren in verschiedenen Rollen im sportlichen Bereich tätig, zuletzt eben rund 20 Monate als Coach der Profis…
Mori: "Natürlich habe ich die Philosophie, wie Mito zukünftig Fußball spielen will, wie die Mannschaft und der Staff aufgestellt sein sollen, mit auf den Weg gebracht. So kann ich auch Bereiche wie das Scouting anleiten, worauf da besonders geachtet werden soll. Da hilft mir meine jüngste Vergangenheit als Trainer definitiv."
Sie haben die Partnerschaft zwischen Hannover 96 und dem FC Mito HollyHock, die nun seit fast drei Jahren besteht und die kürzlich vorzeitig verlängert wurde, von Anfang an mitbegleitet. Was bedeutet diese Zusammenarbeit heute für Ihren Klub im Vergleich zum Start im Jahr 2023?
Mori: "Da muss man ehrlich zugeben, dass Hayate (Matsuda; Anm. d. Red.) da ein großer Faktor ist. So wie er sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ist er ein gutes Beispiel für den gemeinsamen Weg. Es wirft ein immer stärkeres Licht auf den japanischen Fußball und zeigt, dass es dort spannende Talente und Spieler gibt. Und selbstverständlich hat dieser positive Fall auch für eine noch intensivere Verbindung zwischen beiden Klubs gesorgt."
Sie haben es schon angesprochen: Mit Hayate Matsuda hat ein Spieler vom FC Mito den Weg über die U23 bis in die Profimannschaft von Hannover 96 geschafft. Was sagt seine Entwicklung über die Qualität und Nachhaltigkeit dieser Partnerschaft aus?
Mori: "Wir verwenden Hayate und seinen Werdegang schon immer öfter als Beispiel, um Spieler für uns zu gewinnen. Das hilft uns natürlich. Der Traum vieler japanischer Spieler ist es, irgendwann in Europa zu spielen. Wir bei Mito nutzen den Weg von Hayate, um interessanten Spielern zu zeigen, dass es, wenn man für Mito spielt und gute Leistungen bringt, eine realistische Perspektive gibt, irgendwann auch den Schritt nach Europa machen zu können. Das sind neue, überzeugende Argumente, die es in den vergangenen Jahren so noch nicht gab."
Dann wollen wir zum Abschluss nochmal auf Mito schauen. Sie gehen zum ersten Mal in der ersten Liga an den Start. Welche Ziele haben Sie für die kommende Saison?
Mori: "Nach dem Aufstieg ist der Klassenerhalt das große Ziel. Allerdings ist unser Budget das kleinste aller Klubs der ersten Liga. Dementsprechend wäre ein Klassenerhalt für uns ein riesiger Erfolg. Und genau das versuchen wir, gemeinsam zu erreichen."
Danke für Ihre Zeit, viel Erfolg für die vor Ihnen liegende Spielzeit und auf ein baldiges Wiedersehen!