"Arierparagraph" auch von 96 eingeführt
Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wandelte sich die Weimarer Republik innerhalb weniger Monate in eine Diktatur. Politische Gegner und auch die jüdische Bevölkerung wurden drangsaliert und entrechtet. Die Unterdrückung spiegelte sich in der Gesellschaft wieder und damit auch in den Sportvereinen. Der "Arierparagraph" verdrängte ab 1933 jüdische Menschen. "Er wurde auf Druck der Nationalsozialisten auch von Hannover 96 eingeführt", sagt Jannis Busse, der das 96-Archiv gemeinsam mit Christoph Lahner und Hans-Heinrich Kellner verantwortet und der durch den Abend führte.
Ab 1934 keine jüdischen Mitglieder mehr
Ab dem 1. Januar 1934 durften daher keine Juden mehr Vereinsmitglied werden. "Um sich weitere Demütigungen zu ersparen, traten jüdische Mitglieder aus dem Verein aus", sagt Busse. Zu ihnen gehörte auch Robert Rosenbaum. Dieser hatte zuvor tatkräftig mitgeholfen, dass der klamme Verein einen Kredit aufnehmen konnte, um das erste Vereinsheim 1931 errichten zu können. Er war Teilhaber eines Bankhauses, das zusammen mit einer weiteren Bank Hannover 96 einen Kredit über 20.000 Reichsmark für den Bau gewährte.
Der Versuch der Vereinsverantwortlichen, das "jüdische" durch "arisches" Geld abzulösen, scheiterte. Es kamen nur 6000 Reichsmark zusammen. Rosenbaum sorgte allerdings dafür, dass seinem ehemaligen Verein die weiteren 14.000 Reichsmark erlassen wurden.
Weitere Vorgaben der NSDAP
Der Verein musste sich auch an anderen Stellen den Vorgaben der NSDAP fügen. "Die sportliche Vorbereitung der Jugend auf den Krieg wurde überwiegend von der Hitlerjugend übernommen", erklärt Busse. "Durch die häufig stattfindenden Termine verlor Hannover 96 etwa 30 Prozent seiner Mitglieder."
Meisterschaft für 96 im Wiederholungsspiel
Das politische Umfeld prägte den Sport, dennoch konnte Hannover 96 in der Saison 1937/38 Meister in der Gauliga Niedersachsen werden und somit an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen. Auch in der Gruppenphase setzte sich die Mannschaft durch und besiegte im Halbfinale den Hamburger Sportverein mit 3:2 n.V. Das Finale gegen Schalke 04 gewann Hannover 96 im Wiederholungsspiel vor über 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Berliner Olympiastadion - wie das erste Finalspiel ebenfalls nach Verlängerung - mit 4:3. Hier könnt Ihr den sportlichen Verlauf genauer nachlesen.
Beschaffung der Viktoria - Beschäftigung mit der Geschichte
Das siegreiche Team wurde seit 1903 mit der Viktoria geehrt. Die Abbildung der Siegesgöttin wurde dem Deutschen Meister allerdings immer nur für ein Jahr überlassen. Eine Nachbildung der Trophäe bekam der Verein nicht. "Sie gehört zur Geschichte von Hannover 96", sagt Busse, "dennoch darf sie nicht ohne Einbeziehung der politischen Bedingungen betrachtet werden." Um den sportlichen Erfolg zu würdigen und sich gleichzeitig zu seiner Verantwortung zu bekennen, hat der Verein eine Nachbildung der Viktoria angeschafft.
Die weitere Aufarbeitung der Geschichte des Vereins im Nationalsozialismus ist Hannover 96 ein Anliegen.
jb