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96plus-Spieltag: Wir setzen ein Zeichen gegen Rassismus!

Mit dem Spieltag gegen RB Leipzig wollen wir ein gemeinsames Zeichen setzen: Rassismus und Ausgrenzung haben weder in unserem Stadion noch in unserer Gesellschaft etwas zu suchen. Wir wollen eine klare Aussage tätigen. Nicht aus einer fixen Idee heraus – sondern aus Überzeugung.

Unsere klare Botschaft
Seit Jahren engagieren sich die Mitglieder des AK "96-Fans gegen Rassismus" mit viel Nachdruck und zeitlichem Aufwand. Auch das Fanprojekt Hannover schafft in diesem Themenbereich immer wieder Angebote, die zum Nachdenken anregen. Mit der sozialen Initiative 96plus haben wir selbst zahlreiche Projekte und Aktionen gegen Rassismus ins Leben gerufen – und mit dem Ausspruch #HannoverIstBunt richten wir in regelmäßigen Abständen das Augenmerk auf die Vielfalt in der Gesellschaft, die etwas Schönes und Schützenswertes ist, weil sie eine Gesellschaft stark und lebendig macht.

96 steht für Miteinander – wir sind eine riesige Gemeinschaft, die die ganze Stadt und viele Menschen über deren Grenzen hinaus verbindet. Aus gutem Grund lautet unser Klubmotto nun seit langem schon NIEMALS ALLEIN! Alle Strömungen, die dagegen wirken, und alle, die sich mit diesen Gedanken nicht identifizieren können, haben bei uns keinen Platz und werden ihn auch niemals finden.

Aktionen im Stadion geplant
Diese Botschaft wurde bereits im Vorfeld des Spielstags tausendfach als Versandbeilage in Ticketbestellungen für das Leipzig-Spiel mitgeschickt. Im Stadion sind am Freitagabend zudem mehrere Aktionen geplant, die unsere Haltung deutlich machen werden. Im Stadion-TV berichten der 96plus-Verantwortliche Mirko Woitschig und Johann-Friedrich Dempwolff, Geschäftsführer von 96plus-Hauptpartner Johnson Controls, detailliert über das Engagement sowie bereits gelaufene und anstehende Projekte. Wenn die 96-Profis zum Warmmachen rauskommen, werden sie die 96-Shirts gegen Rassismus tragen, die in einer großen Mitmachaktion im Sommer von Fans gestaltet worden sind. Wie an jedem Spieltag werden auch die Spalierkinder in diesen Shirts gekleidet sein. Ihnen kommt an diesem besonderen Spieltag allerdings noch eine weitere Aufgabe zu: Beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Anpfiff zeigen sie zwei eigens für das Leipzig-Match gestaltete Banner, die unsere Botschaft klar und für die TV-Kameras gut sichtbar in die Welt tragen werden: #NAZISRAUS - Love Hannover, hate racism!

Rechtsextremismusexperte im Interview
Passend dazu hat sich der AK "96-Fans gegen Rassismus" mit Robert Claus unterhalten, der als Experte im Bereich Rechtsextremismus, Geschlechterverhältnisse und Männlichkeitsforschung, Migration, Rassismus und Anti-Diskriminierung und für die Kompetenzgruppe für Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFa) tätig ist. Lest hier einen Auszug aus dem Interview!

Herr Claus, was verstehen Sie unter Rassismus und welche verschiedenen Formen gibt es?
  
Claus:
"Rassismus ist eine Diskriminierung von Menschen auf Basis ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer kulturellen Zugehörigkeit. Besonders zu betonen ist jedoch, dass Rassismus vor allem ein Machtverhältnis ist. Rassismus funktioniert von oben nach unten. Von Beleidigungen über  Drohungen bis hin zur körperlichen Gewalt ist alles möglich. Ebenso finden wir rassistische Diskriminierung in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. Es gibt Rassismus auf dem Arbeitsmarkt, Benachteiligung auf dem Bildungsweg, also zum Beispiel in der Schule, in sozialen Netzwerken, quasi überall. An alledem wird klar: Rassismus ist nicht nur eine individuelle Einstellung, sondern eine gesellschaftliche Struktur."

Robert Claus ist Experte im Bereich Rechtsextremismus, Geschlechterverhältnisse und Männlichkeitsforschung, Migration, Rassismus und Anti-Diskriminierung.

Sie haben erwähnt, dass Rassismus eine Form von Diskriminierung ist.

Claus:
"Es gibt sechs Dimensionen von Diskriminierung. Es gibt Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, es gibt Behinderung, Religion oder Weltanschauung und die soziale und ethnische Herkunft. Die rassistische Diskriminierung umfasst die Formen Religion und Herkunft und somit auch Hautfarbe. Feindlichkeiten gegen homosexuelle Personen, Trans- oder Intermenschen sowie sämtliche Formen des Sexismus kann dann dem Geschlecht sowie der sexuellen Orientierung zugeordnet werden.

Diese sind, neben Rassismus, auch die Diskriminierungsformen, die am häufigsten im Fußballkontext zu finden sind, oft in Form von homophoben und sexistischen Beleidigungen."

Wir haben den Eindruck, dass in den vergangenen Monaten rassistisches Denken nicht nur in der Gesellschaft,  sondern auch in den Stadien wieder mehr wird. Sind das nur unser Bedenken?

Claus:
"Leider habe ich auch den Eindruck, dass wir in Stadien, auch bei Hannover 96,  wieder Dinge sehen, die wir in den letzten 20 Jahren eigentlich hinter uns lassen wollten: Dinge wie Affenrufe gegen Schwarze Spieler. Die offen rassistischen Vorfälle in den Stadien sind dann leider auch Ausdruck von der gesellschaftlichen Entwicklung. Rassismus ist in der Gesellschaft wieder sichtbarer geworden und auch akzeptierter. Dies sowohl durch die AfD im Bundestag als auch durch Vorfälle im Stadien. Ebenso fällt auf, dass sich Menschen ja auch wieder trauen offen rassistische und rechtsextreme Symbole oder Kleidermarken zu tragen, was auch ein Zeichen dafür ist, dass die Hemmschwellen fallen."

Was würden Sie Menschen raten, wie sie mit  rassistischem, diskriminierendem Gepöbel oder Stammtischparolen umgehen können?

Claus:
Zivilcourage ist wichtig, Menschen können einschreiten und das eigene Wort  erheben. Wenn sich Menschen nicht trauen, weil sie alleine sind und die andere Gruppe in einer großen Mehrheit ist, kann man auch immer Umstehende ansprechen.