Profis

Jiri Stajner: Auch mit 43 immer noch Profi

Jiri Stajner war einst Publikumsliebling in Hannover, heute spielt er in der fünften tschechischen Liga. Wie es dazu gekommen ist, und was er nach dem Karriereende vorhat, verrät Stajner in Teil 18 unserer Serie "Was macht eigentlich ...?".

Von 2002 bis 2010 bei 96: Jiri Stajner.

Immer noch am Ball
Jiri Stajner, 43, möchte es in dieser Saison etwas ruhiger angehen lassen. Er hat deshalb den Verein gewechselt. Stajner spielt jetzt für Spartak Chrastava, einen Klub aus der fünften tschechischen Liga. Trainiert wird dreimal in der Woche, und sämtliche Auswärtsspiele finden im Umkreis von 30 Kilometern statt. Das klingt nach Freizeitfußball, "und für einige in meiner Mannschaft ist es das auch", sagt Stajner, "aber nicht für mich. Ich mache das weiterhin professionell."

Stajner ist jetzt also Fünftligaprofi, vermutlich der einzige in ganz Tschechien, und er muss selbst ein bisschen schmunzeln, wenn er darüber nachdenkt. "Aber so ist es halt", sagt er im Gespräch mit hannover96.de, "ich arbeite nicht, ich spiele bloß Fußball." Nur eben nicht mehr auf dem hohen Niveau früherer Jahre, in denen er seinen Gegenspielern Knoten in die Beine dribbelte - und gelegentlich auch sich selbst. In Liberec. In Prag. Und in Hannover, wo sie ihn bis heute verehren, obwohl er doch schon so lange weg ist.

"Ich wollte nach Hause"
Im Sommer 2010 hatte Stajner seinen Vertrag bei den Roten aufgelöst, nach 243 Pflichtspieleinsätzen (43 Tore) und acht "super Jahren", wie er sagt. Danach war es sehr schnell sehr ruhig um ihn geworden. Stajner war zurück nach Tschechien gewechselt, zu Slovan Liberec. "Ich wollte nach Hause", sagt er, "ich war 34 Jahre alt und hatte den Wunsch, einfach noch ein bisschen ohne Stress zu spielen." Drei Jahre lang wirbelte Stajner durchs Mittelfeld von Slovan Liberec, wurde 2012 sogar tschechischer Meister mit dem Klub. Ein Jahr später unterschrieb er beim Ligarivalen FK Mladá Boleslav, ehe es ihn doch noch einmal zurück nach Deutschland führte, zum FC Oberlausitz Neugersdorf.

Beim ostdeutschen Oberligisten kickten damals ein paar Kumpels von Stajner, und weil der Neugersdorfer Sportplatz zwar hinter der tschechisch-deutschen Grenze, aber dennoch keine 50 Kilometer von Liberec entfernt lag, ließ sich der 37-fache Nationalspieler auf das Abenteuer in der Lausitz ein. Ein Fehler, wie er inzwischen selbst sagt. "Ich habe mich nicht mit dem Trainer verstanden", sagt Stajner. Zudem schmerzte die Bandscheibe. Nach nicht mal einem Jahr packte Stajner seine Sachen und schloss sich Spartak Chrastava an, das damals noch in der vierten tschechischen Liga spielte. Nach dem Abstieg in die fünfte Liga wechselte Stajner im Sommer 2018 zum Nachbarklub Jiskra Mseno, blieb dort aber nur für eine Spielzeit. Stajner war mit dem Klub in die dritte Liga aufgestiegen, "das wäre mir zu anstrengend geworden".

"Ich würde gern im Juniorenbereich arbeiten"

Zukunft als Trainer?
Nun kickt Stajner also wieder für Chrastava. Ein, zwei Jahre lang möchte er das noch machen, dann soll Schluss sein. Für die Zeit danach hat Stajner noch keine genauen Pläne, wohl aber eine erste Idee. Stajner hat sich für einen Trainerlehrgang in Prag im kommenden Jahr angemeldet. "Ich würde gern als Trainer im Juniorenbereich arbeiten", sagt Stajner. Am liebsten in Liberec, wo er mit seiner zweiten Ehefrau und seinem Sohn (1) lebt.

Aus Liberec war Stajner einst auch nach Hannover gekommen. In der Saison 2001/02 hatte sich der Ballkünstler mit starken Auftritten im UEFA-Pokal auf die Zettel zahlreicher Klubs gedribbelt, auch auf den des damaligen 96-Trainers Ralf Rangnick. Stajner galt als absoluter Wunschspieler des 96-Trainers. Rangnick fuhr während der Verhandlungen sogar persönlich nach Liberec, um Stajner von einem Wechsel zu überzeugen. "Das hat mich beeindruckt", sagt Stajner, "es hat mir ein gutes Gefühl gegeben, dass sich der Trainer so sehr um mich bemüht hat." Also wechselte Stajner nach Hannover.

Tor gegen Mönchengladbach
Am Maschsee aber fühlte sich Stajner anfangs nicht so wohl. Er sprach kein Wort Deutsch, fand keinen Anschluss, bekam Heimweh. "Wenn wir montags frei hatten, bin ich sonntags nach dem Training nach Liberec gefahren und habe meine Kumpels getroffen", erinnert sich Stajner, "wir haben dann zusammen Party gemacht, und montags bin ich wieder zurück nach Hannover gefahren. Was hätte ich auch in Hannover machen sollen? Fernsehgucken?" (Die Frage stellte sich übrigens ab 2003 nicht mehr, als ein gewisser Jan Simak zu den Roten zurückkehrte und an den Wochenenden mit Stajner in Hannover um die Häuser zog. "Das war eine wilde Zeit", sagt Stajner und lacht. Der Kontakt zwischen den beiden Tschechen ist allerdings schon vor Jahren abgebrochen.)

Nicht nur privat benötigte Stajner eine gewisse Eingewöhnungszeit, auch sportlich lief zunächst nicht alles nach Wunsch. Dennoch kam er gleich in seiner ersten Bundesligasaison auf 32 Einsätze - und erzielte am 33. Spieltag das vielleicht wichtigste Tor seiner Karriere. 96 spielte gegen Borussia Mönchengladbach und benötigte einen Punkt, um ein Abstiegsendspiel am letzten Spieltag zu vermeiden. In der Nachspielzeit traf Stajner zum 2:2, Hannover war gerettet. "Das war ein ganz besonderer Moment für mich", sagt Stajner, "dank meines Treffers hat Hannover noch viele Jahre in der ersten Liga gespielt." Und mit Hannover auch Stajner. Nur eines bedauert der Mittelfeldakteur bis heute: "Dass ich nie mit Hannover im Europapokal gespielt habe. Das habe ich leider knapp verpasst."

Daumen drücken für 96
Neun Jahre nach seinem Abschied ist Stajner immer noch Fan von Hannover 96. "Es ist wirklich schade, dass die Mannschaft abgestiegen ist", sagt er, "ich finde, dass die Stadt und der Verein in die erste Liga gehören." Stajner hofft, dass die Roten möglichst schnell wieder aufsteigen. "Aber ich fürchte, dass das in diesem Jahr nicht so leicht werden wird. Beim letzten Mal ist die Mannschaft nach dem Abstieg zusammengeblieben, diesmal nicht. Mal sehen, was die neue Mannschaft erreichen kann. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen."
hop