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"Hatte fantastische Jahre als Fußballprofi": Ex-96-Spieler Schwegler kündigt Karriereende an

Pirmin Schwegler hat sein baldiges Karriereende angekündigt. Der Ex-96-Profi ist vor kurzem nach Australien zurückgekehrt, um dort die coronabedingt unterbrochene Saison 2019/20 zu Ende zu spielen. Danach hängt der Schweizer die Fußballschuhe endgültig an den Nagel.

Er hört auch aus Ehrgeiz auf
Das verriet er in einem Interview mit der Zeitung "Blick": "Ich werde meine Karriere nach dieser Saison beenden." Als er sich vor einem Jahr nach dem Weggang fürs Abenteuer in Sydney entschieden habe, sei dies schon so angedacht gewesen. "Und in den letzten Wochen hat sich mein Entscheid gefestigt."

Nach 17 Jahren Profifußball ist Schluss. Im – auch körperlich – anspruchsvollen Mittelfeldzentrum ist er nie einem Zweikampf aus dem Weg gegangen. Bei 96 spielte er 2017 beim legendären 4:2-Sieg über Borussia Dortmund sogar weiter, als ihm nach einem Duell ein Schneidezahn ausgefallen und anschließend nur notdürftig wieder in den Mund gedrückt worden war. "Ich bin brutal ehrgeizig und ein Stück weit höre ich auch deshalb auf", erläutert Schwegler. "Denn ich habe das Gefühl, dass ich meinen Ansprüchen nicht mehr zu hundert Prozent genügen könnte. Es ist konsequent, jetzt aufzuhören."

Immer hart im Nehmen: Beim 4:2-Sieg über den BVB im Oktober 2017 spielte Schwegler weiter, nachdem ihm ein Schneidezahn ausgefallen war.

Bis zuletzt war immer wieder über eine Rückkehr des 33-Jährigen zu seinem Heimatverein FC Luzern spekuliert worden. Dort hätte er noch einmal mit seinem drei Jahre älteren Bruder Christian zusammenspielen können. Klub und Spieler seien auch in Verhandlungen und sich über wesentliche finanzielle Eckpunkte einig gewesen, bestätigt der Mittelfeldmann. "Aber ich habe mich nach längerem Überlegen entschieden, das Angebot nicht anzunehmen."

"Irgendwie passt dieser Abschluss zu mir"
Nun wird der ehemalige schweizerische Nationalspieler sein letztes Pflichtspiel auf dem australischen Kontinent absolvieren. Anfang Juli ist er von Frankfurt aus, wo er sich während des Corona-Lockdowns mit seiner Frau bei deren Familie aufgehalten hatte, dorthin aufgebrochen. Vor dem letzten Saisonspiel unserer Roten gegen Bochum war Schwegler als Gast im 96TV-Vorspiel zugeschaltet gewesen. Bereits da hatte er im Liveinterview bekräftigt, seinem Verein Western Sydney Wanderers und den Teamkollegen helfen zu wollen: "Der Wunsch vom Verein ist, dass ich noch mal rübergehe und helfe, und mein Wunsch ist es auch, dass ich noch mal rübergehe und das auch beenden und die komplette Saison mitnehmen kann." Nachdem vertragliche Details geklärt und sein Visum ausgestellt wurden, ging es los.

Allerdings musste er sich nach seiner Ankunft in Australien zunächst für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Vom Flughafen sei er direkt in ein Hotelzimmer gebracht worden. "Seitdem bin ich für zwei Wochen 24 Stunden pro Tag im Zimmer praktisch eingesperrt. Ich darf nicht raus und niemand darf rein. Das Essen wird mir vor die Türe gelegt", berichtet er im Gespräch mit dem "Blick" von den strikten Auflagen der australischen Regierung. Ein ungewöhnliches Ende einer außergewöhnlichen Laufbahn. Aber Schwegler sieht es positiv: "Irgendwie passt dieser Abschluss zu mir und meiner Karriere. Ich war immer da, hab nie aufgegeben, auch in schwierigen Phasen nicht. Ich habe stets alles gegeben, was ich hatte, und alles getan, was wichtig war."

Schwegler möchte dem Fußball erhalten bleiben
Wie es nach dem Karriereende weitergehen soll, steht noch etwas in den Sternen. Er habe einige Ideen, liebe den Fußball und "würde mittelfristig gerne in diesem Business etwas machen", sagt Schwegler. "Am ehesten im Management. Aber ich werde nichts überstürzen und mir Zeit lassen, um mich fortzubilden und Neues für das Fußball-Metier zu lernen."

Zurück in Australien: Für Schwegler und die Western Sydney Wanderers stehen regulär noch fünf Liga-Duelle auf dem Plan.

Zunächst aber konzentriere er sich voll und ganz auf die kommenden Spiele mit den Sydney Wanderers. Fünf Partien stehen für den Klub in der Saison noch regulär auf dem Plan – bei Erfolg anschließend noch maximal drei Playoff-Matches. Ab dem 22. Juli wird in enger Taktung gespielt. Erst zwei oder drei Tage vorher darf Schwegler die Quarantäne verlassen. "Die ersten zwei Partien dürfte ich höchstens eine mentale Verstärkung sein", prophezeit er. Dann aber wird er noch einmal eingreifen können, ehe eine große Karriere mit 262 Bundesligaeinsätzen, 14 Länderspielen und der WM-Teilnahme 2010 in Südafrika zu Ende geht. Nicht ohne Stolz blickt Pirmin Schwegler darauf zurück und sagt: "Ich hatte einige fantastische Jahre als Fußballprofi."
hec