Nachwuchs

U23: Ein durchwachsener Abschluss

Die U23 kommt am 34. Spieltag der Regionalliga Nord nicht über ein 1:1 gegen den Tabellenletzten 1. FC Magdeburg hinaus und verfehlt das erklärte Ziel, den vierten Tabellenplatz zu verteidigen. Am Ende wurde das Team von Valérien Ismaël Sechster. Gleichwohl blickt der Trainer auf eine gute Saison zurück.

Ismaël: "Ich bin wahnsinnig enttäuscht"
Platz vier absichern, das war das erklärte Ziel der U23 vor dem 34. Spieltag in der Regionalliga Nord, sie hatte alles in der eigenen Hand. Nach dem 34. Spieltag steht der Bundesliga-Nachwuchs auf dem sechsten Platz, weil er im letzten Heimspiel gegen den Tabellenletzten 1. FC Magdeburg nicht über ein 1:1 hinaus kam, die Verfolger Wolfsburg und Havelse aber jeweils gewannen. 

Coach Valérien Ismaël war nach dem Auftritt seiner Mannschaft "wahnsinnig enttäuscht", was zwar auch an dem Endergebnis und der Endplatzierung lag, mehr machte ihm aber die Art und Weise der letzten Vorstellung zu schaffen. 96 begann gegen Magdeburg zunächst mit viel Elan und hätte bereits nach wenigen Sekunden in Führung gehen müssen. Mannschaftskapitän Lars Fuchs wurde mustergültig freigespielt, scheiterte aber an Keeper Tischer, der den Ball nur abklatschen konnte. Auch der Nachschuss fand nicht den Weg ins Tor. (1.) "Die Chance muss ich nutzen, dann läuft das Spiel auch völlig anders", zeigte sich Fuchs hinterher selbstkritisch.

Acht Minuten später hatte er noch eine gute Gelegenheit, aus spitzem Winkel traf er aber erneut nur den Torhüter. Danach aber war Schluss mit vielversprechenden Offensivszenen der Roten, sie wurden ersetzt durch einen fahrigen Auftritt, über den sich Ismaël hinterher zu Recht ärgerte. 96 leistete sich diverse Abspielfehler, besonders im zentralen Mittelfeld, und lud Magedburg mit einer hoch stehenden, auf offensives Überzahlspiel ausgerichteten Viererkette zu Kontern ein. Weil sich Abstimmungs- und Stellungsfehler dazugesellten, war plötzlich der Tabellenletzte die spielbestimmende Mannschaft.

Akzentuiert wurde der forsche und mutige Auftritt der Gäste durch Tore zunächst nicht, aber es reihte sich Großchance an Großchance. Besonders per Kopf konnten sich die Angreifer aus der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts in Szene setzen (7., 10.), aber sowohl Wolf als auch Wright vergaben jeweils knapp. Weil es der FC auch mit dem Fuß (22., 30.) nicht besser machte und auf Seiten der Roten nur Distanzschüsse von Noto (29.) und Gießelmann (33.) für einen Ansatz von Gefahr sorgen konnten, ging es mit einem für 96 schmeichelhaften 0:0 in die Pause.

Wenig durchdachtes Bemühen
Wie schon in den ersten 45 Minuten konnte man auch nach dem Seitenwechsel das Engagement und den Willen der jungen Roten spüren. Doch hilft das wenig, wenn "schlechtes Zweikampfverhalten, zu große Abstände und unnötige Ballverluste" kumulieren, wie der Trainer und die 820 Zuschauer mitansehen mussten. Und deswegen lag die U23 auch ab der 61. Minute hinten. Erneut kam ein Magdeburger Angreifer im Strafraum völlig frei zum Schuss, Klonz konnte den Ball mit Mühe zur Seite abwehren. Dummerweise kam er von dort prompt zurück und landete irgendwann bei Wolf, der sich nicht zweimal bitten ließ und zum verdienten 0:1 einköpfte.

96 bemühte sich in der Folge weiter redlich, rannte über weite Strecken aber etwas kopflos an. Bei den wenigen klug vorgetragenen Angriffen mangelte es am letzten Zuspiel - aus dem Spiel heraus, so wirkte es, würde aus der 0 auf der Anzeigetafel keine 1 oder 2 werden. Also versuchtes sie es über Standardsituationen. Mit Erfolg: eine Hereingabe nach einem zunächst abgewehrten Eckball nickte Innenverteidiger Tobias Fölster ein (77.), der in dieser Saison bereits bei den A-Junioren beachtliche sieben Tore geschossen hat. Den entscheidenden Schub brachte der Treffer aber nicht. Im Gegenteil. In der 82. Minute verursachte der ausgespielte Keeper Klonz einen Foulelfmeter, den Magdeburgs Kurth aber an die Latte setzte und damit verhinderte, dass die U23 mit einer Heimniederlage die Spielzeit 2011/2012 beschließen muss.

"Wir haben unser Saisonziel klar verfehlt", schimpfte Ismaël, der mit Blick auf die zurückliegenden Monate unter seiner Regie aber versöhnliche Worte fand. "Die Mannschaft hat sich toll entwickelt, besonders die jungen Spieler. Die heutige Begegnung hat gezeigt, wo unsere Aufgaben liegen. Die Jungs müssen mental stärker werden, sie müssen konstanter spielen und charakterlich wachsen. Der Fokus wird in der kommenden Saison auch darauf liegen, die Bereitschaft, Zweikämpfe anzunehmen zu steigern, außerdem müssen wir mehr Tore schießen."

Am 25. Juni geht die Vorbereitung los und der Coach wird weiter daran arbeiten, den Unterbau des Profikaders zu verbessern. "Es war für uns eine große Umstellung, als Valérien Ismaël unser Trainer wurde, er hat viel verändert. Vieles haben wir vielleicht noch nicht so hinbekommen, wie er sich das vorstellt", sagte Fuchs nach dem Spiel. Müde sei er, es sei viel an der Fitness gearbeitet worden. "Aber das hat sich gelohnt. Man muss doch nur gucken, wie wir mittlerweile spielen können."

Die U23 hat spielerisch einen Satz gemacht. Die Freude darüber wird den berechtigten Ärger über den tabellarischen Rückschritt überwiegen. Am Ende ist es doch die Entwicklung, die wirklich zählt.
mi 

Hannover 96 II: Klonz - Wohlfahrt (60. Büchler), Fölster, Gökdemir, Wendel - Merkens, Pläschke, Noto (60. Serrone), Gießelmann - Beil, Fuchs

1. FC Magdeburg: Tischer - Austermann, Köhne, Butzen, Neumann - Friebertshäuser, Kurth - Becker, Burdenski (78. Brendel) - Wolf (90. Deumelandt), Wright

Tore: 0:1 Wolf (61.), 1:1 Fölster (77.)

Schiedsrichter: Hösel (Rövershagen)

Zuschauer: 820

Gelbe Karten: Pläschke, Wendel, Klonz, Fuchs / Friebertshäuser, Kurth

Besondere Vorkommnisse: Kurth schießt einen Foulelfmeter an die Latte (82.)

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