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Heute vor 31 Jahren: 96-Torwart Wulf trifft als Erster aus dem Spiel heraus

Torhüter verhindern nicht nur Treffer, sondern schießen manchmal auch welche. Das prominenteste Beispiel ist sicher Jörg Butt, der in 14 Bundesligajahren 26 Treffer erzielt hat. Seit dem 14. Juni 1987 darf sich auch 96-Keeper Hans Wulf zu diesem illustren Kreis dazuzählen. Warum unsere damalige Nummer eins sogar (eigentlich) einen historischen Rekord innehält, erfahrt Ihr hier!

Torhüter als Torschützen
Viele Fußballfans behaupten, Torhüter und Linksaußen sind etwas ganz Besonders in einem Team. Eines ist zumindest sicher: Torhüter verhindern nicht nur Treffer, sondern schießen auch welche. Das prominenteste Beispiel ist sicher Jörg Butt, der in 14 Bundesligajahren 26 Treffer erzielt hat. Allesamt vom Elfmeterpunkt zwar, aber immerhin: Butt ist der mit Abstand torgefährlichste Torwart der Bundesligageschichte. Das erste Torwart-Tor der Historie erzielte ein Keeper - ebenfalls vom Elfmeterpunkt: Manfred Manglitz schoß am 3. Juni 1967 in der 87. Minute das 3:0 für den MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach.

In Erinnerung ist zahlreichen Fans sicherlich auch die Saison 1997/1998, als Schalkes Keeper Jens Lehmann die Geschichte der Torhüter im deutschen Profifußball um ein Kapitel erweiterte. In der Nachspielzeit des Revierderbys in Dortmund läuft der S04-Torhüter in den gegnerischen Strafraum und köpft zum Ausgleich 2:2-Ausgleich ein. Danach wird berichtet, dass es der erste Treffer der Bundesligahistorie sei, den ein Torwart aus dem Spiel heraus erzielt habe. Aber das ist so nicht ganz richtig: Der Rekord müsste eigentlich 96-Schlussmann Hans Wulf zugesprochen werden.

Keeper Wulf trifft als Stürmer
Nachdem 96 den Bundesliga-Aufstieg eine Woche vor Ende der Saison 1986/87 mit dem 1:1-Unentschieden gegen den 1. FC Saarbrücken zu Hause perfekt gemacht hatte, war das Spiel in Salmrohr für die Roten nicht mehr entscheidend. Aufgrund von Verletzungen und Sperren standen nur zwölf einsatzfähige Spieler gegen den Absteiger zur Verfügung. 96 startete zunächst verhalten, führte aber schon mit 4:0, ehe die Gäste dann noch einmal auf 3:4 herankamen. Trainer Jürgen Wähling wechselte daraufhin den einzigen Ersatzspieler ein:

Es war Stammtorhüter Hans Wulf, der im Kasten in dieser Partie von Ralf Raps vertreten wurde. Der Keeper der Roten erinnert sich noch genau an diesen Tag: "In der Saison hatten wir am Schluss viele Angeschlagene zu beklagen. Dann verletzte sich noch Karsten Surmann im Spiel. Trainer Wähling hatte mit mir vorher über einen möglichen Einsatz als Feldspieler gesprochen. Ich sagte ihm, dass ich als Jugendlicher mehr als 60 Tore in meiner Heimat Essen erzielt hatte. Deshalb war es für mich auch keine große Umstellung, da wir auch beim Training solche ungewöhnlichen Sachen geübt hatten."

5:5 geht in die Geschichtsbücher ein
Hannover 96 gab nach dem gegnerischen Anschlusstreffer noch einmal Gas und kam tatsächlich durch den eingewechselten Torhüter Wulf per Kopfball zur 5:3-Führung (83.). Doch Salmrohr wollte sich aus dem bezahlten Fußball vernünftig verabschieden und schaffte in den letzten fünf Minuten noch den Ausgleich zum 5:5-Unentschieden.

Damit hatten beide Teams zum Saisonabschluss noch für einen Torrekord gesorgt, denn dieses Ergebnis hatte es bis dahin in noch keinem Zweitligaspiel gegeben. Die rund 500 mitgereisten 96-Fans feierten ihre Mannschaft begeistert, denn es war der Abschluss einer sehr erfolgreichen Saison, die für Hannover in der Bundesliga mündete. "Das besondere an diesem Tor war, dass ich es gegen Nationalmannschafts-Keeper Wolfgang Kleff erzielt habe. Es macht mich schon stolz, solch ein Tor erzielt zu haben", blickt Wulf, der zwei Spielzeiten für Hannover 96 den Kasten hütete, zurück.

Extraprämie vom Trainer: eine Flasche Sekt
Wulf sollte nicht der einzige 96-Torwart sein, der in einem Pflichtspiel einen Treffer für die Roten erzielt hat. Im zweiten Halbfinalspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft 1966/67, das 96 gegen Bayer 05 Uerdingen bestritt, traf Bernd Helmschrot beim 7:1-Enstand im Eilenriedestadion zum zwischenzeitlichen 4:1. Nachdem Klaus Wohlgezogen im Bayer-Strafraum zu Fall gebracht wurde, verwandelte Helmschrot den fälligen Elfmeter. Auch in Freundschaftsspielen sorgten einige 96-Schlussleute für Tore. Keeper Horst Grunenberg netzte im Jahr 1966 in Badenstedt beim 12:1 per Elfmeter ein, in der Saison 1968/69 traf Stammtorwart Horst Podlasly am 18. Oktober 1969 beim 8:1-Testspielsieg in Bad Lauterberg. Sein Tor bescherte ihm eine Extra-Pämie: eine Flasche Sekt von Trainer Cik Cajkovski.

Sievers trifft beim DFB-Pokal vom Punkt
Bei 96 gibt es mit Jörg Sievers einen Keeper, der als Elfmeterschütze für viel Jubel und zugleich großen Erfolg gesorgt hat, als er in der Saison 1991/92 im DFB-Pokalhalbfinale vom Punkt antrat und im Elfmeterschießen nach der Verlängerung zum 6:5 einschoß. Anschließend parierte er den Strafstoß Marco Bodes und machte so den Weg ins Finale frei. Das Endspiel gewann das Team von Trainer Michael Lorkowski dann ebenfalls im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen Borussia Mönchengladbach.
dk