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"Es wäre mir eine Ehre, nochmal das Trikot anziehen zu dürfen"

Es war DER Wermutstropfen beim Sieg gegen Nürnberg am vergangenen Samstag: Kevin Akpoguma, der in der Winterpause auf Leihbasis von der TSG 1899 Hoffenheim zu uns an den Maschsee gekommen ist, musste mit einer schweren Schulterverletzung ausgewechselt werden. Am Mittwoch wurde er in Heidelberg erfolgreich operiert. Mit hannover96.de hat er nun über unseren nächsten Gegner – seinen Stammverein – gesprochen und verraten, ob ein Comeback noch in dieser Saison möglich ist.

Akpoguma im zweiten Testspiel für 96 im Trainingslager in Marbella.

Akpo, Du hast selbst deutlich betont, wie bitter diese Diagnose ist, die Dich zu einer langen Pause zwingt. Trotzdem wirktest Du die ganze Zeit sehr aufgeräumt. Wie ist Dir das gelungen?

Akpoguma: In der Vergangenheit habe ich noch schlimmere Sachen gehabt, meine Halswirbel-Verletzung zum Beispiel. Es ist jetzt keine lebensgefährliche Verletzung, bei der die Gefahr besteht, dass ich meine Fußballschuhe an den Nagel hängen muss. Aber es ist bitter, weil ich unserer Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt unbedingt helfen wollte.

Ist ein Comeback noch in dieser Saison definitiv ausgeschlossen?

Akpoguma: Ich kenne meinen Körper und ich hoffe, dass die Reha so gut verläuft wie bei meinem Halswirbel. Einen Abschied würde ich noch nicht unterschreiben. Aber…

Ja?

Akpoguma: Man muss das realistisch sehen, die nächsten zehn Spiele werde ich weg sein. Das ist sozusagen die Primetime der Saison – dort wird eben der Abstiegskampf entschieden und da werde ich leider fehlen. Trotzdem arbeite ich dafür, innerhalb der Saison noch einmal einzugreifen, auch als Ausdruck der Dankbarkeit an die Fans und die Mannschaft.

Wie meinst Du das?

Akpoguma: Es wäre mir eine Ehre, nochmal das Trikot anziehen zu dürfen, und dieses Vertrauen wiedergeben zu können, das man mir bei 96 die ganze Zeit entgegengebracht hat. Aber selbst wenn es am Ende vielleicht nur zwei Wochen Training mit den Jungs sind – ich gucke, dass ich schnell wieder auf die Beine komme.

Man merkt Deinen Aussagen an, dass Du sehr gut in Hannover aufgenommen wurdest.

Akpoguma: Das ist Fakt! Wir haben ein sehr familiäres Miteinander auf dem Platz und auch in der Kabine. Ich bin – wie gesagt – wirklich dankbar, hier zu sein.

"Akpo" ist menschlich und sportlich eine Top-Verstärkung.

Die sechs Wochen seit Deiner Ankunft in Hannover waren turbulent. Wie wichtig sind da die drei Punkte am letzten Wochenende gewesen?

Akpoguma: Mit dem Sieg gegen Nürnberg haben wir wieder ein positives Erlebnis gehabt – was auch notwendig war. Es geht in diesem Geschäft am Ende ums Gewinnen. Jedem ist bewusst, dass die nächsten zwei Wochen nicht einfach werden, aber ich hoffe, dass die Mannschaft diese positive Energie mit in die nächsten Spiele nehmen wird. Mit Teamgeist kann man alles schaffen!

Neben dieser Erkenntnis: Was können wir aus dem Spiel mitnehmen?

Akpoguma: Wir haben jetzt gegen Nürnberg gesehen, dass wir auch Zug zum Tor haben. Ich habe das Spiel nach meiner Verletzung nicht mehr live gesehen, aber nachher noch mal angeguckt: Wie wir das zweite Tor machen, das hat mir sehr gut gefallen. Aufgrund des Sieges wird noch mehr Vertrauen kommen – sowohl in die Defensive als auch in die Offensive.

Jetzt geht’s ausgerechnet gegen Deinen Stammverein TSG 1899 Hoffenheim. Was macht diese Mannschaft aus?

Akpoguma: Sie sind eine agile Mannschaft – defensiv wie offensiv. Es ist eine Mannschaft mit enorm viel Tempo. Das ist auch genau der Fußball, den Julian Nagelsmann sehen möchte. Das Auswärtsspiel wird sicher sehr schwer für uns. Der Trainer will sein letztes Jahr in Hoffenheim nochmal auf einem internationalen Tabellenplatz beenden. Wir brauchen die Punkte aber auch. Deswegen wird es ein sehr interessantes Spiel.

Welche Fehler darf man gegen die TSG nicht machen?

Akpoguma: Leichte Ballverluste. Die Hoffenheimer nutzen das mit ihrem Tempo aus und bestrafen es. Man darf dieser Mannschaft nicht zu schnell zu viel Ballbesitz geben, weil sie vorne eben Spieler haben, die im Eins-gegen-Eins immer ein paar Leute stehen lassen können.

Und mal andersherum gefragt: Welche Fehler darf man gegen uns nicht machen?

Akpoguma: Was man nicht unterschätzen darf, ist unser Teamspirit. Klar, wir sind mit vielen Verletzten in die Rückrunde gestartet, jetzt kommt noch eine Verletzung dazu, aber unsere Mannschaft kann das auffangen – und auch aus negativen Eindrücken noch stärker hervorgehen. Daran soll die Mannschaft glauben: an sich selbst, an das Team – und dann wird es schwer sein, gegen uns Punkte zu holen.

Akpoguma muss mit großen Schmerzen vom Platz gebracht werden.

Am Mittwoch wurdest Du in Heidelberg operiert, wie geht’s jetzt weiter?

Akpoguma: Die erste Woche werde ich jetzt unten bleiben, ich habe ja auch noch meine Wohnung in Heidelberg. Ich werde schauen, dass ich zum Spiel ins Stadion komme. Nächste Woche werde ich dann wieder hochfahren und auf jeden Fall das Frankfurt-Spiel schauen. Je nachdem, wann die Reha anfängt, so lange werde ich in Hannover bleiben und ab und zu die Mannschaft besuchen. Die Reha mache ich dann in Heidelberg, weil ich es einfach dort von meiner Halswirbel-Geschichte her kenne, damals wurde ich dort auch gut behandelt. Die Leute kenne ich gut und da habe ich auch gutes Vertrauen, dass es dann auch möglichst schnell geht. Und wie gesagt: Wenn wieder trainieren kann und wir sind noch in der Rückrunde der Saison, dann werde ich sofort wieder in Hannover aufkreuzen.

Akpo, vielen Dank Dir!

hec