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Warum ein "schlaksiger, nicht ausgewachsener Junge" es trotzdem geschafft hat

Ein früh als "zu schmächtig" abgestempeltes Talent, heute ein gesetzter Stammspieler in der 2. Bundesliga: Kolja Oudenne kehrt mit Hannover 96 nach Berlin zurück. Dorthin, wo seine Wurzeln liegen und wo er gelernt hat, Widerständen zu trotzen.

/ Profis
Kolja Oudenne am Ball.
Kolja Oudenne steht seit zehn Spielen ununterbrochen in der Startelf. (Foto: 96/Kaletta)

Früh der Stempel "zu schmächtig"
Wenn Hannover 96 am Samstag im Olympiastadion antritt, ist es für Kolja Oudenne ein besonderes Auswärtsspiel. Der gebürtige Berliner kehrt an einen Ort zurück, an dem er selbst ein Kapitel in den Anfängen seiner Laufbahn verbrachte. Der ehemalige Herthaner, spielte für ein Jahr in der Akademie der "Alten Dame". "Als gebürtiger Berliner war ich früher Hertha-Supporter. Meine Familie wird Samstag im Stadion sein", sagt er. Heimische Gefühle für Oudenne.

Die Nummer 29 von Hannover verließ den "Berliner Weg" 2015 und zog weiter Richtung Süden zum FC Bayern München. Nach drei Saisons in der Akademie der Münchenener bekam der damals 17-Jährige ein klares Urteil zu hören: "Es geht hier nicht weiter. Ich war zu klein, zu schmächtig und zu langsam." Es ging zurück nach Berlin zur Hertha Zehlendorf. Bewusst einen Schritt zurück, um neuen Anlauf für die Karriere zu nehmen.

Wenig später, während des Corona‑Lockdowns, bestätigte ihm sogar der Spiegel im eigenen Badezimmer das Bild, das zu seinem Aus in München führte. Beim Blick auf sich selbst erkannte er, wie weit sein Körper vom Profilimit entfernt war. "Ich habe einen schlaksigen, nicht ausgewachsenen Jungen gesehen", erzählt er heute mit einem Lachen.

Ein harter Arbeiter
Ein Wendepunkt in der Karriere des fleißigen Profis. Kurz vor dem Lockdown bestellte er über Ebay eine Hantelbank. "Ich wollte trotzdem Profi werden und habe alles darauf gesetzt. Wenn man nicht auf dem Level der anderen ist, muss man eben was tun." Das Resultat: Drei, vier Monate hartes Training führten dazu, dass Oudenne "zehn, zwölf Kilogramm zugenommen" hatte. "Das war dann fast zu viel", lacht der Deutsch-Schwede.

Was damals begann, prägt seinen Alltag bis heute. Oudenne ist zu einem Musterprofi gereift. "Um 6.30 Uhr stehe ich auf, um 7 Uhr bringe ich meine Freundin zur Arbeit, komme zum Stadion und mache mein Programm", erzählt er. Früher sei er "nur Kaffeetrinken gewesen", sagt er lächelnd – heute trainiert er schon am frühen Morgen Oberkörper, Rumpf und Beine.

Dieser Fließ basiert auf seinen hohen Ansprüchen an sich selbst: "Ich will jeden Tag besser werden – als Spieler und als Mensch. Wenn Ernährung und Schlaf besser sind, spiele ich besser."

Neu erfunden
Unter Cheftrainer Christian Titz hat Oudenne sich auf einer Position etabliert, die ihn noch vor zwei Jahren überrascht hätte. Die linke Schiene war nie sein ursprüngliches Terrain, heute prägt er sie auf seine Weise. "Verteidigen war nicht meine Kernkompetenz, aber ich habe dazugelernt." Was nach Anpassung klingt, ist in gewisser Weise ein Kreis, der sich schließt: Schwächen erkennen, bearbeiten, verbessern.

Der Lohn: Zum ersten Mal in seiner Profikarriere ist die Nummer 29 so richtig gesetzt. Zehn Startelfeinsätze in Folge, in denen er konstant und verlässlich abliefert. "Es ist ein gutes Gefühl, so viel zu spielen", gibt der Schienenspieler offen zu.

Rückkehr mit Symbolkraft
Dass seine Entwicklung ihn jetzt in seine Heimat zurückführt, hat Symbolkraft. Es ist die Rückkehr eines Spielers, der früh aussortiert wurde, bewusst einen Schritt zurück gemacht und gelernt hat, mit Widerständen umzugehen. Der einstige "schlaksige Junge", der nun endgültig angekommen ist.
lk

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